Wer wandert braucht nur was er tragen kann

digital lifestyleMein Computer hat eine Akkulaufzeit von etwa zehn Stunden. Mein Mobilfunkvertrag stellt mir mehr Gesprächsminuten und Daten zur Verfügung, als ich in einem Monat verbrauchen kann. Ich habe seit Jahren keinen Festnetzanschluss mehr, bin überall online, habe vor langem alle Tonträger digitalisiert und in große Kisten verpackt. Ich kann bereits heute überall sein, überall arbeiten und habe überall fast alles dabei – allein ein paar Schallplatten stehen noch im Regal, umsäumt von Büchern.

Das wunderschöne Mädchen verschenkt ständig Dinge. Sie sagt, sie weiß, was Besitz bedeutet seit damals, seit jenem Moment. Ich interveniere, bekomme ich es rechtzeitig mit, argumentiere mit «der Bibliothek, in der ich als Alter sitzen möchte» und in unseren Garten schauen. Ich schaffe nicht, mich vom einzigen Buch zu trennen, das auch ich abgeben würde: Den unsäglichen Simmel will niemand geschenkt.

Ich habe mir einen eBook-Reader gekauft, hoffend, dass dieser – wie einst der iPod vor wenigen Jahren der Anfang vom Ende der Tonträger war – das Ende der Bücher einläuten wird. Doch noch werde ich sie kistenweise in den Wagen verladen, breche ich meine Zelte in dieser Stadt in vier Wochen ab.

Und doch: Reisegepäck ist mir ein Graus, ich bekomme schlechte Laune, wenn ich mit zwei Koffern reise. Physikalischer Besitz fesselt und bremst; ich kenne Wohnungen, in denen wird man erschlagen vom Ramsch, vom Tand und von Trödel «gekauft auf einem arabischen Markt.»

Wer wandert braucht nur
was er tragen kann

Diesen Satz einer alten Freundin im Ohr schaue ich mittlerweile entspannt auf die brennenden Zelte und auf ein brennendes Haus. Ich weiß, der Verlust des Eigentums, das dort gerade verbrennt, schmerzt nur einen lächerlich kurzen Moment.

Ein Gedanke zu „Wer wandert braucht nur was er tragen kann

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