Ein Abend bei der APPD

Stammtisch! Dass die hiesige Anarchistische Pogo Partei ihren allsonntäglichen Stammtisch an die Ufer des lokalen Flusses verlegt und uns (zwei Personen, die nicht genannt werden möchten und mich) dazu einlädt, ist toll. Also schnell ein politisches T-Shirt übergestreift, dass mir in den Tagen vorher durch glückliche Fügungen zugespielt wurde und nichts wie los.

Kaum angekommen – etwa fünfzig Minuten zu spät – wurde ein anwesender Neunzehnjähriger zum Grill-Sergeant ernannt, die ganze anwesende Partei (fünf Menschen) kicherte über den geschickten Schachzug, der immer wieder aufgewärmt wurde durch die Beteuerung, man könne sich schließlich Ämter schaffen “noch und nöcher”. Jener »Grill-Sergeant« war es dann auch, der die Hälfte meines Grillkäses mit beeindruckender Geschwindigkeit in der Glut verschwinden ließ (zugegeben, er war porös); Grillkäse legt man idealerweise quer auf das Rost und nicht längs. Wenig später wurde mit einer »Brotschleuder« hantiert, die nach dem Grillen dem Lagerfeuer überantwortet wurde; neben uns schüttete ein Partei-Mitglied sein Herz aus. Später fiel der Satz des Abends:

Hart wird man nur,
indem man sich viel gefallen lässt.

Neben dem Humor, den ich offensichtlich nicht teile, war das Odeur das Schlimmste des Abends. Der Fäkalgeruch mag vom Gewässer herrühren, einen Fluss habe ich allerdings nie schwitzen sehen.

9 Gedanken zu „Ein Abend bei der APPD

  1. lecker. da freue ich mich auf den kommenden schnupperbericht vom näxten marburger ‘marktfrühschoppen’ (wie duften burschenschaftler im verein mit stinknormalen bürgerInnen?) oder ‘live’ von einer öffentlichen sitzung im rathaus – bei 30 grad? auch dort gilt: stilblüten sollten gesammelt werden

    mein tip: grill dir deinen tofu nicht im beisein mental uniformierter … oder noch besser: lade mich – wohlriechend und mental noch ziemlich rüstig – dazu ein!

    auf bald:
    peryton

  2. @ dennis:

    bei einem ‘sergeant’, der grillwürste exekutiert ist die uniform schon im begriff gegeben … und überhaupt: auf die idee, einen solchen titel zu vergeben muss mensch erst kommen. das sitzt doch – das naheliegende positiv vorausgesetzt – im kopf, oder? titel und damit verbundene funktion anzunehmen … dieser vorgang allein wäre eine philosophische betrachtung über die intellektuelle und individuelle eigenständigkeit der ebenso handelnden wert; mach ich aber nicht. lohnt nicht, weil der schluss zu kurz geraten würde – in etwa so: is nich

  3. @peryton – Das Spiel mit solchen Begriffen gehört zum Gesamtkonzept “APPD”. Ein filosofischer Diskurs über Politclownerie, und darüber, ob dahinter vielleicht die Schatten ordinärer Machtstrukturen zu erkennen sind, wäre irgendwie lächerlich und – nebenbei bemerkt – ziemlich kleinbürgerlich. ;-) Schließlich geht es irgendwie auch genau um diese Symbolik und ihre Wirkung auf Kleinbürgerseelen. Du weißt vielleicht, dass ich sehr große Stücke auf dich halte – deswegen kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass du in dieser Sache so undifferenziert bist. Aber über sowas diskutieren tue ich in diesem Medium ohnehin ungern. Vielleicht mal wieder live?
    Herzlichst:
    Dennis

  4. Nachtrag. Gibt man die Uniformiertheit nicht auch irgendwie der Lächerlichkeit preis, wenn man sie für eine “Partei des Pöbels und der Sozialschmarotzer” (so der offizielle Untertitel) ins Gegenteil verkehrt? Ich erinnere da nur an Karl Nagels Auftritt auf der hochoffiziellen Bundeswahl-Feier 1998… in fedelesquem “Devolutions-Outfit” und mit Helfershelfer im SA-Mantel.
    Das ist Politsatire, Kabarett für die Straße, konsequentes Durch-den-Kakao-ziehen politischer Strukturen und Ideologien.
    Gar so doppelbödig war unser Grillseargent natürlich nicht, das zu behaupten wäre anmaßend, alleine schon wegen des unterschiedlichen Rahmens, in dem beides stand. Die Verhohnepipelung freilich ist dennoch dieselbe. :-)

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