Der Scherz-Verlag gehört zur Fischer-Verlagsgruppe [Update 2]

Schlechte Bücher (im Sinne von Fehlerhaftigkeit) machen mich rasend. Ich befinde mich im dreizehnten Kapitel des gestern erwähnten und dieses setzt allem die Krone auf. Ob die dümmlich wirren Sätze dem Übersetzer – Charlotte Lyne – oder dem Lektorat des Verlags anzulasten sind, sei dahingestellt. Dort heißt es

[…] XSAN, ein Netzwerk-System des Speicherzeitalters. […] [Es handelt sich um ein] Diskettenspeichersystem für Firmen.

Dieser hanebüchene Unfug wird begleitet von sich ständig im Text findenden Anführungszeichen, denen das Gegenstück abhanden gekommen ist. Auf Seite 353 beginnt sogar eine Zeile mit Datenmüll, der an ein defektes Dokument einer bekannten Textverarbeitungssoftware erinnert.

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Die Möglichkeit zum Erstellen einer kompletten Mängelliste habe ich verpasst und freiwillig fasse ich das Buch in naher Zukunft nicht wieder an. Aber, lieber Verlag, es gibt keine Software namens iMovies und iWorks. In einem Buch, das diesen Bereich mehr als tangiert, darf das nicht passieren. Genau wie die Vernichtung des Sinns mit dem Übersetzen der Überschrift: “Der »näXTe« Schritt”.
Sechs, setzen. Viel Glück bei den nächsten Auflagen.

[Update: Der »Leserbrief«]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mir vor einiger Zeit das im Scherz-Verlag erschienene Buch “Steve Jobs – und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens” gekauft und muss jetzt, nach dem Lesen, leider sagen, dass es jenes Buch der letzten Jahre gewesen ist, welches mir am wenigsten Spaß bereitet hat.
Der Grund ist eine Mischung aus inhaltlicher Ungenauigkeit und einem scheinbar schlecht arbeitenden Lektorat – ein Buch mit derart vielen Orthographiefehlern ist nicht nur für den Preis von fast zwanzig Euro eine Enttäuschung.
Derart zahlreiche Anführungszeichen lassen ihren Gegenpart vermissen, auf Seite 353 anschließend ein wirklich grober Schnitzer beim Druck: Eine Zeile beginnt mit “,4>.

Inhaltlich schlägt Kapitel 13, das ironischerweise “Showtime” heißt, dem Fass den Boden aus. Auf Seite 420 heißt es “Und dann kam der iPod Nation.” Faktisch gibt es ein solches Modell nicht, dass hier aber kein Musik-Player gemeint (und der Artikel darum falsch) ist, wird allerdings erst sechs Seiten später deutlich; es wird die iPod-Nation beschrieben als ein Universum aus Zubehör.
Im Gegensatz zu den Geräte- und Programmnamen (die großteils falsch sind – “iWorks” und “iMovies” gibt es nicht, die Programme heißen “iWork” und “iMovie”), ist der Begriff “iPod-Nation” keineswegs so verbreitet und als bekannt vorauszusetzen.

Bezeichnend ist der herausstechende Fehler schon im Inhaltsverzeichnis. Die (Übersetzung der) Überschrift des Kapitels 5 (Der »näXTe« Schritt) ist geradezu sinnraubend, hier sollte man am Wort »NeXT« (Der »NeXTe« Schritt) tunlich nichts ändern. Einem Lektor mit Hintergrundwissen (das Buch richtet sich an all jene Apple-Begeisterte, die sich mit der Geschichte des Gründers oftmals näher befasst haben) muss dieser Schnitzer auffallen.

Leider habe ich verpasst, eine “Mängelliste” anzufertigen, dies sollte allerdings auch nicht den Lesern zugemutet werden.
Ich hoffe, sie nehmen das Buch genauer unter die Lupe und werden in der nächsten Auflage diese Fehler beseitigt haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Niels Fallenbeck

Alle Seitenangaben beziehen sich auf die erste Auflage der deutschen Version.

[Update 2: Die Antwort]
Die Fischer Verlage antworteten mit einer freundlichen eMail und räumten ein, dass einige beim Druck unter den Tisch fielen, was natürlich sehr ärgerlich sei.
Die Absenderin war um Schadensbegrenzung bemüht und bietet mir die im Mai 2007 erscheinende Taschenbuchausgabe als Entschädigung.

Diese Mail hat mich heute sehr gefreut.

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