iPhone vs. BlackBerry

Als das iPhone 3G herauskam, war ich in einer Situation, um die mich viele beneidet haben. Mein Handy-Vertrag, den ich schon vorher mit T-Mobile hatte, lief pünktlich zur Markteinführung dieses Telefons aus, so dass ich ohne finanzielle Einbußen die Wahl zwischen dem iPhone und anderen Telefonen hatte.

Im alten Vertrag nutzte ich einen BlackBerry 8800 und den entsprechenden eMail-Push-Service, den mir mein Handy-Anbieter zur Verfügung stellt. In diesen Dienst war ich sofort verliebt, habe mehrmals wichtige (eMail-)Korrespondenz aus Zügen und Autos führen können, dennoch hatte der BlackBerry einige Nachteile, von denen ich hier zwei ausführen möchte.

  • Es gibt bei der 88×0 Baureihe keine Möglichkeit, lokal (also auf Gerät oder MicroSD-Karte) gespeicherte PDFs anzuschauen, dies funktioniert nur, wenn man die Dateien per eMail geschickt bekommt, der BlackBerry Server erstellt daraus ein für das Gerät lesbares Format
  • Die 8-GB-MicroSDHC-Karte wurde nicht vollständig unterstützt. Im Gerät konnte ich sie nur auf maximal 4 GB formatieren, extern ließ sie sich zwar vollständig formatieren, der BlackBerry quittierte dafür jeden Zugriff auf die 8 GB mit quälender Langsamkeit

Suchte ich noch lang, fielen mir möglicherweise noch die Unmöglichkeit, den BlackBerry via Bluetooth mit meinem Mac zu synchronisieren ein und das Fehlen eines SSH-Clients.

Ich habe mich dann für das iPhone entschieden.

Am Anfang standen für das iPhone sehr wenige Programme zur Verfügung, die man über den App Store auf das Gerät laden konnte – ich fühlte mich an die Zeit mit dem BlackBerry erinnert. Mit der Zeit kamen allerdings einige sehr interessante Applikationen, die ich heute stark nutze. Hierzu zählt die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn sowie der Berliner Verkehrsbetriebe. Auch die Google-Maps-Anwendung samt GPS-Tracking habe ich am Wochenende wieder mehrmals gebraucht, weil ich den Berliner Stadtplan in der Wohnung meiner Freundin vergessen hatte. Einen brauchbaren SSH Client findet sich mittlerweile auch und für einige Software habe ich gern Geld gezahlt, weil ich glaube, dass die Arbeit des Entwicklers belohnt werden sollte und die Beträge selten zwei Euro je Applikation überstiegen.

Neben den zahlreichen positiven Veränderungen in Form von herunterladbaren Applikationen schimmerte immer häufiger Unvermögen durch, über das ich mich mehr und mehr zu ärgern begann. Neben dem BlackBerry-Dienst sieht die periodische Abfragung von eMail-Konten lächerlich aus. An Lächerlichkeit nur noch übertroffen von der Akkulaufzeit bei aktiviertem UMTS, mit EDGE ist sie halbwegs vertretbar (wenn man zweieinhalb Tage als vertretbar bezeichnen mag). Viele andere Zumutungen, über die ich mich selbst unterschiedlich intensiv ärgere, finden sich in der Liste 50 Gründe, warum man die Finger vom iPhone lassen sollte! (Danke Matthias). Ich kann alle die in der Liste genannten Probleme mindestens nachvollziehen, es geht hier nicht um das Bashing von Apple, es geht um Usability.

Nach vier Monaten ist es Zeit Bilanz zu ziehen. Das iPhone sieht attraktiv aus, die Verarbeitungsqualität ist ordentlich und die Synchronisation in Verbindung mit der MobileMe-Cloud gefällt sehr gut (und kostet noch einmal 79,- Euro zusätzlich im Jahr). Mich begeistert der Complete-Tarif, den ich von T-Mobile habe. Die T-Online Hot-Spot-Flatrate nutze ich regelmäßig, noch häufiger die UMTS-Flatrate per Web’n’Walk Express-Card im Laptop.

Die Liste der negativen Dinge ist hingegen entscheidend länger. Neben der oben genannten Mängelliste empfinde ich die Haptik des Telefons als sehr ungünstig: Es ist glatt, rutscht in der Hand (und fast vom Tisch; gerade beinahe vom ICE-Tisch in einer Kurve) und verbreitet immer mehr den Habitus eines Spielzeugs, vielleicht weil man sich der Unzulänglichkeiten bzgl. des Business-Umfelds (Message-LED, Agenda, Suchfunktionen, …) gewahr wird. Die absolute Unmöglichkeit stellt für mich die Touch-Tastatur dar, nicht nur von der Bedienbarkeit, sondern auch vom Konzept (Umlaute!). Die Empfangsqualität ist bedeutend schlechter als beim BlackBerry, ebenso die Sprachqualität.

Ich habe mir das iPhone jedenfalls nicht als Spielzeug gekauft. Nach der anfänglichen Begeisterung, die ich auch meinen Kollegen vermittelt habe, sind die Gründe, das Telefon zur Seite zu legen, mittlerweile übermächtig geworden.

Ich nutze demnächst wieder BlackBerry: Bold (der die beiden oben erwähnten Einschränkungen nicht mehr besitzt). Und meine Kollegen werden lachend den Kopf schütteln.
(Aber nur, bis sie den Wiederverkaufswert des iPhones bei ebay sehen!)

2 Gedanken zu „iPhone vs. BlackBerry

  1. Darf ich auch lachen?

    Aber wenigstens musst du dir keine gedanken machen, das du auf dem Teil sitzen bleibst. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so “geirig” auf das Teil. Ach ja, und ich wette du bist froh, das du dein Blackberry NICHT verkloppt hast :-)

    Bis denne…

    | Armin

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