Es gießt wie aus Kübeln

Ich habe heute jemanden getroffen, dessen erste Assoziation des Wortes “Paper” ein wissenschaftliches Essay und kein Raucherutensil ist. Und auf die Aussage “Ich habe meine Papers im Zug liegen lassen” würde er wohl “In meinen habe ich eben noch gelesen” antworten. Sofern man denn auf Aussagen antworten mag, was gemeinhin nicht praktikabel ist. Ab und zu wird es allerdings tatsächlich von jemandem erwartet, Schweigen als Ablehnung gewertet und zum Gegenangriff ausgeholt…
Thomas. Ich traf ihn in Gießen, wir tranken Milchkaffee aus Gefäßen, die in Frankreich “bols” heißen, und unterhielten uns über dies und jenes, hauptsächlich Dinge, von denen man spricht, wenn man drei Stunden Zeit und sich lange nicht gesehen hat.

Langsam beginne ich, den Zug als Fortbewegungsmittel nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar zu bevorzugen. Das hat nur teilweise mit der Tatsache zu tun, dass mein Auto fünfzehn Busminuten entfernt steht, eben nicht mehr an den Lahnwiesen, von denen es wegen Überschwemmung bereits einmal fortgeschleppt wurde, sondern in der Straße vor Christians Wohnung. Weiterhin kann man die Fahrzeit im Zug viel besser als im Auto nutzen. So habe ich heute ein Paper (wissenschaftliches Essay) lesen können, während die Regionalbahn durch Friedelhausen zuckelte und sich Jugendliche mit Klingeltönen zu übertrumpfen suchten. Jamba freut sich ein Loch in den Bauch, mir stieß übel auf.
Die Straßen waren gefüllt, überfüllt von weihnachtsgansgeschwängerten Bäuchen. Wir liefen einmal den Seltersweg hinauf und die andere Seite hinunter, stoppten in einer Buchhandlung und dann erst wieder am Bahnhof. Ein toller Tag wars, die kürzere Rückfahrt (da Regionalexpress) schmökerte ich im Paper, während Friedelhausen an mir vorbeirauschte und ich im Dunkel das Leuchten der Mobiltelefone zu erkennen glaubte.

Ein Gedanke zu „Es gießt wie aus Kübeln

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