Der Weg des geringsten Widerstandes

Zum wiederholten Male werden im Gespräch Argumente gegen ein Studienfach gebracht, was gern gewählt werden würde, aber bei dem zu erwartenden Aufwand inakzeptabel ist.
Was mache ich falsch? Wenn ich neben meinen spießbürgerlichen Ansichten die Meinung vertrete, man solle sein Studium bitte nach Interesse wählen und nicht nach einer Aufwandsabschätzung, falle ich dann endgültig in die Menge der FDP-Wähler? Ist es völlig uncool, länger als zwölf Semesterwochenstunden in Vorlesungen, Seminaren und sonstigen Lehrveranstaltungen zu verbringen? Ist um 7 Uhr aufstehen so ungewöhnlich, dass fünfundsiebzig Prozent aller Gesprächspartner irritiert nach dem Grund fragen?
Völlig uncool ist meine Meinung: Nach diesen Kriterien entscheidende Studierende gehören nicht an die Universität. Sie sind – auch im eigenen Interesse – in einer Lehre besser aufgehoben, als (eventuell staatlich gefördert) einige Jahre nichtstuend in ihren Wohnungen zu lungern. Im eigenen Interesse deswegen, weil sich der an Faulheit gewöhnte Mensch kaum mehr von selbst aufrichten kann. Ich weiß leider, wovon ich spreche.

Das ist keine Brandrede gegen geistes- oder sozialwissenschaftliche Fachbereiche. Das ist der Eindruck, den ich habe, wenn Studenten nach vielen Semestern (falls sie überhaupt) noch in den Vorlesungen sitzen, gähnend kommentieren “wie langweilig”.

8 Gedanken zu „Der Weg des geringsten Widerstandes

  1. Ich verstehe nur nicht, wie du das immer wieder mit den Geisteswissenschaften und Aufstehen in Verbindung bringst. Ich habe mein Studium nach Interesse gewählt. Es wurde Medien, Ich stehe erst spät morgens auf, deshalb verschiebt sich auch alles, inklusive lernen, in die Abendstunden hinein.

    Der Fehler deines Denkens ist und bleibt der gleiche: Du wirfst einfach Dinge in einen Topf, die da nicht unbedingt hineingehören. Jeder soll so schlafen, wie er am besten ausgeruht ist. Dann gibt es auch bessere Leistungen. Und an der orientiert man sich ja in unserer Gesellschaft heute.

    Ja, ich werde arbeitslos. Nein, ein langes Studium macht mich nicht zum Sozialschmarozzer (als Student lebt man ohne Zuwendungen weitaus schlechter als jeder Hartz IV-Empfänger, statistisch gesehen leben die meisten Student sogar unterhalb der Armutsgrenze!)

    FDP-Wähler würden übrigens fordern, dass wir alle das studieren, was am meisten Geld bringt. Da ist freie Studienwahl noch unerwünschter als bei denen, die den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

    Ãœbrigens kosten Studenten, die zuhause und nicht in Seminaren sitzen, keinen Cent und nehmen niemanden etwas weg. Lass sie doch, auch in Vorlesungen kosten sie nichts. Teuer sind allenfalls die, die in Medizin oder Chemie jahrelang von vorne in die Versuche gehen, denn das ist subventioniert.

    Ãœbrigens kann zwischen der Zeit, in der du neues in Seminaren lernst, und dem Punkt, an dem du dich prüfungsbereit fühlst, einiges geschehen, was dich aufhält. Auch kommt hinzu, dass gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften vieles zuhause geschieht. Während man sich mit Büchern auseinandersetzt und das spezifische Denken übt… Als Informatiker kann man das selten nachvollziehen und bekommt das Gefühl, die gammeln nur. Ja, manche schon, die meisten aber nicht.

  2. Ich bringe ja auch gar nichts in Verbindung Knut. Du bist derjenige, der das – warum auch immer – auf sich bezieht. Nein, ich kann dich beruhigen. Es gibt durchaus in der Informatik genug dieser Studenten, bei denen das Pattern Matching erfolgreich wäre. Die meisten scheitern eben an der Hürde Vordiplom. Und das sollte eigentlich in den Geisteswissenschaften auch so sein. Ist es das?

    Gerade mit dem Schlafen habe ich bei mir eine neue produktive Phase gefunden, die erstaunlicherweise zwischen 22 und 0 Uhr liegt. Sobald aber Vorlesungen um 9 sind, sollte man vom gemeinen Studenten auch erwarten können, dass er sie nicht kategorisch auf die Uhrzeit pochend ausschließt.

    Vielleicht bin ich zu missionarisch. Es geht auch nicht um die Kosten, die ein Student verursacht. Es geht einfach um sein Leben und ich kann mir wirklich nicht vorstellenn, dass im Bett liegen die Erfüllung für viele Menschen bedeuten kann. Auch wenn ichs ändern will, lass ich sie natürlich. Jetzt könnte ich dir aber kommen mit eigentlich leistungswilligen Erstis, die sich in der ersten Woche “die falschen Freunde” suchen und im Abwärtsstrudel gefangen sind. Ein Rauskommen ist schwer.

    Es geht auch nicht darum, dass irgendwer gegen seine Interessen studiert. Das ist schwachsinn. Ein Studium kann nur erfolgreich und gut abgeschlossen werden, wenn man sich für das Thema interessiert. Keiner, der sich lieber mit Bildern oder Texten beschäftigt und einen Abschluss in BWL macht, wird glücklich oder gut. Wobei “gut” hier im Leistungskontext definiert sei.

    Nochmal zum Schluss. Es geht nicht um Menschen, die zu Hause lernen. Der Uni ist es egal, wo du dein Wissen aneignest. Es geht primär um Studenten, die in allen Vorlesungen eine Fresse ziehen.
    Damit bist du nicht gemeint. Damit ist auch nicht der gemeine Geisteswissenschaftler oder Informatiker gemeint.
    Damit sind die Leute gemeint, die imho nicht an eine Universität gehören.

  3. Dennis, generell will ich dir nicht zustimmen. Das hat einen Beigeschmack von kindlichem Trotz.
    Erwachsen sein heißt: Argumente zu hören, zu prüfen und darauf seine wie auch immer geartete Entscheidung zu treffen.

  4. ich verstehe auch nicht, warum du, wo du doch selber ein solcher student warst, jetzt gegen ebensolche wetterst. lass denen ihr leben & lebe deines.
    dieses rumgelungere auch nur auf geistes- und sozialwissenschaftliche faecher zu beschraenken halte ich im uebrigen auch fuer aeusserst fragwuerdig.

  5. Aber gerade das versetzt mich ja in eine Lage, in der ich genau darüber meckern kann. Und ich habe es auch nicht auf Geisteswissenschaften bezogen, auch wenn ich sie negierend erwähnte.
    Durchaus kenne ich genug (ehemalige) Studenten, die in der Mathematik die Vorlesungen sieben mal hörten, bevor die Langzeitstudiengebühren ihnen die Entscheidung erleichterten oder abnahmen.

    Vielleicht rege ich mich aber auch darüber auf, weil ich mich über meine eigene Vergangenheit echauffiere. Generell soll jeder tun und lassen, was er mag. Aber die intelligenteste Lösung ist das eingeschriebene Rumlungern nicht.

  6. Das Ding ist, dass es dich nicht aufregen darf, denn es ist nicht deine Entscheidung. Und wer sich mehrmals in die gleich Vorlesung setzt, stört auch niemanden. Ergo ist die Abnahme der Entscheidung durch die “Strafgebühren” auch quatsch und eigentlich nur der Versuch, mehr Geld aus den Elterntaschen zu ziehen. Jedem das seine. Kein Student stört die anderen, ob er nun lungert oder paukt, auf ewig verschiedene Seminare besucht oder nur mit den notwendigsten Scheinen stromlinienförmig dem Abschluss entgegenhechelt. Letztere nerven mich zum Beispiel eher. Mit Halbwissen geht es dann in den Beruf, wo sie sich wie Bolle toll vorkommen und im Endeffekt ihr ganzes Leben so versehen. Mir geht das viel mehr auf die Nerven… (ich hoffe, die Ironie kommt durch)

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