Aus vollen Zügen

Unterwegs in den Norden reisen heute Menschen mit mir, die vielleicht zum ersten Mal mit Zügen fahren in ihrem Leben. Die alte Dame vor mir, deren Mann vielleicht gestorben ist in diesem Jahr, der die weihnachtliche Strecke zum Sohn stets mit dem Auto gefahren und die, wie sie erzählt, noch rechtzeitig aus dem Krankenhaus entlassen wurde, um dieses Jahr mit dem jüngsten gemeinsam zu feiern. Dabei klickt sie auf dem Handy mit sehr großen Tasten und der Einstellung Tastenton: laut.

Und gegenüber der Junge hört lauten Rock.

Das Fest der Liebe

»Ach, das war ein gutes Jahr, alleine für mich, alleine für uns.« Sie glaubt es und ich klicke mich weiter durch persönliche Wünsche auf auf der neuen Timeline von Facebook. Grüße, vielleicht sind auf der Toilette entstanden mit der neuesten App für das Smartphone, mit ungewaschenen Händen. Und doch: Es erreichten mich viele Briefe und viele eMails in den vergangenen Tagen, handgeschrieben oder persönlich intim, allein unerwartet und selten. So erwische ich mich in Gedanken, erwische mich bei »ich müsste endlich« und »ich könnte einmal«.

Das sind – jedes Jahr – die gleichen Gedanken. Und doch: Das war ein gutes Jahr, trotz allem und trotz dem ich so denke. Aber: Ich habe meinen Füller dabei!

Und der Schaffner sieht aus wie Götz Alsmann.

Ein Gedanke zu „Aus vollen Zügen

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