Oktober ’05

Gegenüber, im Stock über den besagten Büroräumen, wird zur Zeit renoviert. Der Raum – wie meiner mir drei Fenstern – dürfte etwa die Größe meines Zimmers haben, doch erkenne ich von hier weder eine eingebaute Küche noch eine Tür zum Bad.
Seit ich vor einem Jahr in diese Wohnung zog, stand der Raum leer, nur einmal wohnte ein Jugendlicher für wenige Wochen gegenüber und hinterließ beim Auszug eine Rose am Fenster, die den schönsten Kontrakpunkt in meiner Aussicht bot. Statt der Rose steht eine Flasche Bier im Fenster, Handwerker tapezieren, renovieren und versuchen, aus dem bad- und küchenlosen Raum eine formidable Wohnung zu gestalten. Sollte jemand einziehen, wäre ich gezwungen, mir endlich Gardinen zu kaufen… Dabei hasse ich nichts mehr als verdunkelte Räume.

Ich habe sicherlich weniger Erfahrung als berufliche Maler, doch zwei Streichversuche im Kunstlicht haben mir zu einer “nie wieder”-Einstellung verholfen. So ganz verstehe ich also denjenigen nicht, der mit einer Taschenlampe die Wände abläuft und vielleicht nach Farbflecken sucht. Seit 30 Minuten.

Ich habe seit langem eine Flasche Wein, die ich stets für das richtige Ereignis aufheben wollte. Passenderweise trat genau dies nie ein. Ich glaube nicht mehr daran, denn wer jetzt noch allein sitzt, ist für lange Zeit allein… Vielleicht geb ichs auf. Und trinke ein Glas.
Vielleicht geb ichs auf.

5 Gedanken zu „Oktober ’05

  1. Machen Sie aus der Weinnot eine Tugend… Straight Edge.
    Aber vielleicht ist Ihren Gelegenheiten Ihre Räumlichkeit zu hell oder in Ermangelung von Vorhängen zu exhibitionistisch.

    Nicht jede(r) WeinliebhaberIn möchte zum Kontrapunkt einer Taschenlampe werden.

    nuuna

  2. Der Wein ist gut!
    Der Wein muss weg.

    Doch aber: Allein ungern. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Gelegenheiten sagst du? Allein der Singular ist bereits frech.
    Darauf einen Wein…
    Vielleicht nicht heute.

  3. Allein ungern?

    Was ist mit der zukünftig glatzköpfigen Katze und den besoffenen Dachspatzen. Letztere werden damit vor dem kalten Truthahn bewahrt und die Katze, pardon Kater, also das Viech verkraftet das Toupet besser.

    Nur nicht rückfällig werden und betrinken, es wäre peinlich hosen- und orientierungslos in einer beschissenen Ecke aufgefunden zu werden.
    Pelz-und Gefiedertiere mögen sich da herauswinden können,
    aber eckenurinal Fixierten geht es an den Kragen.
    Das ist wegen der Bausubstanz.

    also auf einen blumigen Abgang, Herr fallen back

  4. Doch!
    Prost mit mir selbst! Wer mit sich Silvester feiern kann auch trinken!
    Ungern, das müssen sie verstehen. Ich hoffe und warte, die Chancen stehen ja nicht ganz schlecht, sagt das Statistische Bundesamt.

    Und was den Dom nicht umhaut, das wird bestimmt der Gasse hier nicht schaden. Maßlosigkeit liegt mir – meist – fern, machen sie sich auch keine Gedanken um politisch interessierte Spatzen, ewig meine einzigen Gesprächspartner. Hier gibts einen Platz, an dem man Marburg überschaut… fragen sie die Leibhaftige danach.

    So lange müssen wir warten.

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