Einen Urlaub im Internet zu buchen ist wie Einkaufen beim Pimkie’s, sagst du. Und verhältst dich wie vor Jahren, als wir es miteinander nicht aushielten. Du bist nicht besser geworden; ich weiß, du ärgerst dich über dich selbst.

Global Warming is now!

Das Glück wartet hinter der letzten Kurve. Immer. Ich freue mich auf Spanien. Ich werde viel zurücklassen, zu viel vielleicht. Hoffentlich genug. Wir schütteln beide den Kopf beim Wort Rücktrittsversicherung.

Draußen prallt die Sonne in noch nicht gestorbene Bäume, in den Häusern fällt der Regen. Wir gehen auseinander ohne uns zu verabschieden, wo und wann wir uns wieder sehen ist ungewiss. Du bist nicht was mich beschäftigt.

Du bist’s.

f: FOUND magazine

Das Bild, was auch hier hängt, habe ich letztens gesehen. Dort. Vielleicht im Traum, vielleicht bei ihr, die ich gar nicht sehr mag, es würde jedenfalls passen. Denn es erzählt über den, der es hängt.

Wo ich das überall sah.

Nicht bei ihr, bei ihm, der mich kannte/erkannte, der mir einen Kuss auf die Wange drückte und sagte, es ist alles okay. Ich war derjenige, der Angst hatte, ich war der eine in Sorge. Als wir uns das letzte mal sahen, schwangen Vorwürfe in der Luft. Dieses mal ein warmes Hallo und vielleicht ein »Bitte warte diesmal nicht so lang.«

Wo ich das überall hörte.

Und dann sagst du, der nächsten Woche steht nichts mehr im Weg und dass du nicht gehst. Ich sollte mich freuen und mache mir Sorgen. Ich weiß, was wir aneinander haben. Vielleicht gerade darum. Und nächste Woche wird toll.

Wo ich das überall dachte.

Man mag aus der Zukunft zurück auf etwas, das man nicht kennt schauen und sagen »Das war’s«; und sagen können: »Das war’s.” Und im Ohrensessel drehen den Kopf, an den Lippen hängen und die Geschichten hören. Von dir und euch. Und dich sehen.

Wo ich das überall träumte.

Da fragt mich einer, ob ich verliebt bin.
Vielleicht weil ich nicht schreibe,
vielleicht weil ich selten hier bin und
vielleicht weil ich nicht singe.
Vielleicht weil man uns zusammen sah
an einem Abend, dieses mal und jenes mal.

Die Antwort ist immer die gleiche
und hat nichts damit zu tun,
dass ich nicht schreibe,
dass ich selten hier bin und
dass ich nicht singe.

Es ist eine Art Lauf der Dinge
und irgendwann schreibe ich wieder mehr.
Doch im Augenblick passiert anderswo mehr.
Vielleicht muss man sich manchmal nur zwingen.
Das würde helfen, vor allen Dingen.

Bombesikker.

Als ich mich schwitzend wälze im Hotelzimmer in dieser Stadt schräg gegenüber jenes Gebäudes, in dem heute nacht wieder Menschen sterben, donnert ein viel zu Junger durch die Nacht, so dass es mich aus dem Schlaf reißt. Wieder.

So waren wir unterwegs in dieser Stadt, in der ich die ein oder andere Nacht auf den Straßen verbrachte. Auf jene Busse wartend, die mich nach Oslo bringen, oder auf dich, wenn wir zum Kaffee verabredet waren.
Ich träume von dir, ohne dass du in dem Traum vorkommst. Und doch, hat er mit dir zu tun, und doch bist du da. Egal, wohin ich gehe, es ist beruhigend, deine Stimme bei mir zu wissen. Schon wieder.
Man erzählt mir, dass du mich anrufen wolltest.
Wir sehen uns später.
Bald.
Gleich.

Geruht, geschlafen hab ich kaum
Ich schrecke hoch aus einem Traum
Ich hab geträumt weiß nichtmal was
Mein Kissen ist von Tränen nass
Ich weine doch schon lang nicht mehr
Wo kommen dann die Tränen her?

Die Straße fällt nach Süden, es muss Süden sein, den Hang hinauf. Der Schneematsch heißt mich willkommen zurück; ich war selbst nicht sicher, ob und wann, jedenfalls dass ich so schnell nicht wieder hier sein würde. Du weißt warum.

Geht man ein paar Kilometer weiter am Ufer des Sees kommt man zu einer jungen Frau, die enttäuscht mit den Wellen spricht, man hört es aus jedem Satz, den wir uns sagen. Als wir an der Stelle vorbeifahren, hören wir ein Wispern in der Luft, dass uns kalte Schauer über den Rücken treibt.

Während du eine Mutter zitierst, denke ich »pass auf«. Im Zug später rasen rosige Berge an uns vorbei. Ich sage Dinge, die ich noch nicht wissen kann.
Und du sagst »Pass auf«.

– Hannes Wader - Schlaf Liebste

Die Katze legt ihren Kopf zur Seite am Kopfende dieses Sofas und schaut gegen die Wand. Wir sind beide durch den Tag geschwommen, haben uns nicht viel zu erzählen, haben eben gelebt, sind nicht verhungert, haben die Welt mit eigenen Augen gesehen und suchen nun den ruhenden Punkt um zu entspannen.

Aufhören!

Und ich frage »Wie hälst du das aus?«
Zwölf Stunden Leben lassen altern wie vier ganze Jahre. Ich habe heute morgen Menschen weinen gesehen und mich ein bisschen geschämt, als ich das nicht konnte. Ich aß heute morgen zwei Brötchen, als andere nach Papiertüchern kramten. Hinter uns saßen unglückliche Menschen, als wir uns das letzte mal küssten. Du hast gewinkt und ich durch die Scheibe im verhangenen Himmel dein Lächeln erkannt.

Wir sind durch den Tag geschwommen im Fieberwahn
auf dieser Couch, auf der wir unsere Geschichten verschweigen.
Sie sagen von dir, du schaust nicht in Augen. Stolz wie du bist.

Und ich frage »Was sind denn schon bitte zwei Wochen?«
Die Antwort kennen wir beide.

Machmal frage ich mich, wie das wäre
wäre es anders (?)

Career

  • Du sagst, du willst tanzen und ich »Entschuldigung, ich habe nur diese Musik«.
    Dann lachst du.
  • Während wir liegen und durch das Dachfenster in den schreienden Himmel blicken, erzählst du, das finge jetzt an und wie man so anders sein kann.
    Dann lachst du.
  • Obwohl ich Busfahren hasse, liebe ich es im Regen. »Es gibt diese Musik, die mich melancholisch sein lässt«; »Es hat angefangen irgendwann im September«. Ich habe eine Ahnung von dem, was du erzählst, was ihr mir erzählt, die mir wichtig sind.
    Und ihr schweigt.
    Dann lachst du.

f: FOUND Magazine

Man verschränkt die Beine auf der neuen alten Couch.
Aus der letzten verbleibenden Box säuseln Mogwai in jenes Ohr, in dem es zuverlässig pfeift.
Hinter den geschlossenen Liedern träumt man von Hamburg und der Hamburger Band,
von den Worten des Sängers, der mit Wir könnten Freunde werden Schuld trägt
an einer vergangen Beziehung, die einem vorkommt wie gestern,
wie nie beendet, wie auf anderer Ebene fortgesetzt.
Und man verschränkt die Beine.

No!

Nebenan stapeln sich Bücher,
die schwarze Katze
sitzt im Flur
und starrt
in den Raum.

f: FOUND Magazine

  • als sie ihm Wochen nach der Trennung die Lippen bei jedem »bis bald« entgegenstreckt
  • als er stichelnd grient »dreimal willst du doch immer geküsst werden; links, rechts, mitte« und dich dann dreimal ernsthaft küsst
  • das Donnern von Trolleys auf dem Kopfsteinpflaster draußen wie
    das Donnern von Kobelbechern auf dem Kopfsteinpflaster draußen

Wieder singt der alte Freund Tinnitus sein immer gleiches Lied, »lange nicht gesehen!«
Im anderen Ohr hockt seit Tagen schon, was ich nicht ignorieren kann.

Thank you!

Du fragst, auf welcher Seite ich schliefe und warum ich mich wälze unruhig im Traum. Ich sage, dass dich wahrscheinlich nachts selten jemand so oft beobachten kann.

Und: »Nimms nicht persönlich, ich würde ja gern die Augen geschlossen halten, aber dann fangen die Konzerte wieder an, in denen die Geigen nicht stimmen.«

f: FOUND Magazine

Nihilismus

Wir treten mit den Füßen einen alten Rhythmus in den Sand.
Es regnet, es ist kalt.

Irgendwer singt irgendwas in laut und deutsch von lieben und verliern.
Es ist kalt, es regnet in Berlin.

Wir schauen uns einander an und blicken leer.
Wir sehen in den Fluss und denken ans Meer.

Und an dich.

– f: FOUND magazine

Es ist doch von Ende Oktober bis Mai
immer nur November.

I still love you

Die stille Verbündete sitzt schräg gegenüber, wir kennen uns nicht doch sind zusammen allein. Sie schließt die Augen oder schaut aus dem Fenster, wie es nur stille Verbündete tun. Sie wird ein paar Stationen früher aussteigen und sich wundern über wen, dem es gut geht, denn er kann wieder spüren.

Und es kommt mir so vor, als wenn dieses Jahr länger als zwölf Monate war
Januar, Februar, Maerz, April, Mai, Juni, Juli, August, September
Und gleich dreimal Oktober
November, Dezember

– Tocotronic - Dieses Jahr

Ich glaubte schlafen zu können bei der Musik der isländischen Band.
Ich glaubte mich im Bus nach Oslo, wenn ich die Augen schloss, diese Musik im Ohr, damals wie heute sind die Erinnerungen geweckt, der Geruch des Busses und der Geschmack der Ferne.
Ich schrieb eine SMS, dass ich bald komme
und »weißt du denn nicht, was dich erwartet?«

Im Bus nach Oslo

Die Wecker ticken einen sonores Geräusch, ich wäre gern bei dir in der Stadt.
Und ich habe gesagt, dass ich, käme ich wieder, flöge.
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und ich habe gesagt, ich sei verloren.
Und wie immer viel früher als ich
hast du gewusst
was ich meine.

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden,
sondern immer ein Kinofilm sein.

Als du mir dieses Buch empfahlst, dir vertraue ich blind, da war noch alles anders. War alles anders?
Gestern war es. War es gestern? Ich habe geschrieben, weil ich einiges besser machen möchte als vor ein paar Jahren. Weil kein Wort des Briefs gelogen ist. Und weil das alles zusammenhängt.
Weil ich dem eine Menge zu verdanken habe.

Liebe ist kein Liter Wasser, den man auf verschiedene Gläser verteilen muss.
(Ein Teil meines Lebens, den ich nicht überdenken werde.)

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden
und keine deutsche Produktion.

Karpatenhund - Stunts

Mit dem Rücken zu mir: ihr.
Gehend aufs Eis dieses Sees, auf den ich blicke, euch nach, das Felsmassiv am anderen Ufer an,
doch vor allem: Euch nach.

Als du dich umdrehst - ich weiß nicht warum - lächle ich bereits, glücklich allein, euch nach,
doch vor allem: Dir nach.

Am Fuße der Felsen, die ich lange nicht sah,
auf der zugefrorenen Bucht schwarze Punkte, vielleicht ihr, ganz sicher egal.
Vom Kaffeehaus (lesend) schau ich euch an
umringt von Menschen (essend und trinkend), die ich kaum verstehen kann.

Ein Hund nüstert draußen in den staubigen Schnee,
ich sitze drin bei Kaffee und Tee
und habe, wenn man mich fragt, was ich macht’ sagend
»Glücklich den Urlaub verbracht«.

Zwischen uns etliche Jahre und genau so wie’s ist, so ist es gut.
Ein langer Weg war es bis zu diesem Satz,
der Monate in Anspruch genommen hat.

Wir wissen die Komplimente zu deuten, die man sich morgens zu Tagesbeginn macht,
wir wissen (uns manchmal umarmend sagend), dass man sich noch eine Ewigkeit hat.

Wie Raupen die Straßen planieren Hamburger Lieder die Welt:

»Endlich einmal etwas, das länger als vier Jahre hält.«

Nachdem ich den Zug betreten habe, der nur eine Alternative zu dem ursprünglich geplanten, ja gewollten, war und letztendlich gewesen ist, genau genommen die vierte Alternative, die der Rangfolge nach absteigend ihrer Beliebtheit auftreten, wird klar, warum die Reservierungen der drei früheren Züge nicht möglich gewesen sind. Der ICE, mit dem ich die Messestadt verlasse, platzt aus allen Nähten und die Wand hinter meinem Sitz, die Fahrgastzelle von Führerstand trennt, murmelt mir »Glück gehabt« ins Ohr.

Vier Stunden später, ich habe den Platz meiner Sitznachbarin, einer Sonderpädagogikstudentin aus Augsburg, die recht bald dem Bordradio lauschen und schlafen wollte, eingenommen, schüttet sich ein junger Familienvater Meditonsin direkt aus der Flasche in den Mund, wahrscheinlich um heil aus dieser Quarantänestation, wie er jeden Zugwagen seiner Frau gegenüber zu Hause nennen wird, umringt von Bazillenschleudern, wie er die anderen in Zeiten wie diesen seiner Frau gegenüber betitelt, herauskommt und also gesund bleibt, gesund bleiben wird. Sein bayrisches Kind macht komische Grimassen, neben mir fragt eine Tochter ihre häkelnde Mutter, ob man jetzt aussteigen müsse.
»Nein« diese, und was sie nicht weiß:

Wir sind noch lange nicht da.

Was ist es, das einen besten Freund zu diesem macht oder den Lieblingsautoren. Warum bezeichnet einer eine Band als seine wichtigste, ohne sie jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat zu hören?
Wenn ein bester Freund sagt, man müsse nicht ständig telefonieren, denkt man vielleicht an den Österreicher, dessen Bücher man ab und zu liest. Dann denkt man vielleicht an die Hamburger Band, deren Lieder man lange nicht hörte.

WG-Zimmer-Romantik

Man schätzt sie doch und würde keinen Moment zögern, sie als jene für sich Wichtigsten in ihrem Genre zu bezeichnen. Der beste Freund ist eine Million Kilometer entfernt, der Lieblingsautor lange gestorben und mit der Band seines Lebens trank man einst das letzte Glas Bier.

Ich singe, wenn andere vermuten, mir ginge es schlecht. Nachts draußen, am 24. Dezember, werde ich sagen »Mama, das ist alles nicht meins« und sie wird sagen »Ich weiß«.

Ich lebe mich durch eines der schönsten Leben,
mit den schönsten Songs Welt.

– Geigen bei Wonderful World - Tomte

Biometrie Präambel

Fotos: Sylphide Noire

Wir sitzen in diesem Kunstcafé, an dem wir früher oft vorbeifuhren und dachten, man solle sich das vielleicht einmal anschauen. Durch die Fensterfront starren wir auf die nicht befahrene Straße, während der Regen die Bäume entlaubt. »Wie in Berlin« sagst du »in einer Ecke, in der gar nichts passiert.«

Ich sitze in diesen Redaktionsräumen, von denen ich früher oft träumte und dachte, man solle sich die vielleicht einmal anschauen. Ich habe in den letzten Stunden einige Menschen kennengelernt, die ich morgen nicht wiedersehen werde, weil ich mich in ein paar Stunden dazu entscheide, den Journalismus eben jenen sein zu lassen.

Dinge verlieren, geht man sie an. Das Tolle ist in der Wirklichkeit unspektakulär, wenig glamourös. Jemand hat gesagt, Phantasien bringen es einfach nicht. Vielleicht habe ich deswegen irgendwann aufgehört zu träumen.

Irgendwer schrieb:

Ich habe Heimweh.
Ich bin mir nur noch nicht sicher wohin…

Ich wollte mir heut etwas wünschen,
doch die Wimper flog einfach nicht weg.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

Ich hatte nie in meinem Leben
eine größere Muse als dich.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

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