Tom Liwa ist in der Stadt. Ich hätte es beinahe nicht mitbekommen, jedes seiner Konzerte hat Geheim-Gig-Charakter und wie immer ist das Publikum angenehm klein. Später werden wir zu dritt auf den Couchen sitzen und Julianastraat im tête-à-tête-Konzert hören.

Tom Liwa auf der Bühne

Es wird einer dieser Abende gewesen sein, nach denen man immer zu wenig Schlaf bekommt.
Weil man nicht möchte, dass sie irgendwann enden.

Einer unglücklichen Liebe hinterherzulaufen, ist wie als Hund den Autos nachjagen; und das ist aus zwei Gründen sinnlos:
Erstens wird der Hund die Autos nie kriegen;
und falls er sie doch erwischt, kann er nichts mit ihnen anfangen

Es ist noch gar nicht lange her, dass ich Autos gesehen habe aus Bonn und mit dem Kennzeichen BN nicht sonderlich viel anzufangen wusste. Kennzeichen wie BN haben Landkreise mit sehr geringer Einwohnerzahl, dachte ich, die ähnlich liegen wie HDL oder LDK. Einen ähnlich provinziellen Flair wie diese Buchstabenkombination besitzen die Bahnverbindungen, die mir von meinem hessischen Heimatort nutzbar bleiben – ich bin ähnlich lang unterwegs nach Berlin wie nach Bonn.

Irgendwo dort

Dabei gibt es durchaus Strecken, die kürzer (und teurer) sind, diese führen allerdings nicht entlang der Ufer des Rheins, die stellenweise denen des Gardasees ähneln. Alleine das Wetter ist mäßig und verführt nicht, statt in die Arbeit aus dem Fenster zu schauen.

Der Zug ist in diesem Abschnitt angenehm leer und die Telefonverbindungen genügend schlecht, um telefonierende Zeitgenossen auf die anderen Strecken zu locken. Er fährt weiter nach Kiel – dort wüsste ich wohin gehen – doch ich werde ein paar Stunden im Zentrum der alten Hauptstadt verweilen auf der Suche nach einem Café; und vielleicht werde ich am Abend mein Bild bezüglich BN revidieren.

ArmeIrre

Ich besitze ein Zeitschriftenabonnement eines bekannten, monatlich erscheinenden Wirtschaftsmagazins. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich für die Bezahlung ebendieses auf eine Einzugsermächtigung verzichtet und lasse mir regelmäßig (jährlich) Rechnungen senden, die ich dann fristgerecht überweise.

Leider habe ich in den letzten Monaten unter anderem aus Zeitmangel diese Hefte ungeöffnet auf den bereits beeindruckend hohen Mussichnochlesen-Stapel gelegt.

Es kann doch niemand ahnen, dass der Adressaufkleber im Schutzumschlag der vorletzten Ausgabe die Rückseite der Rechnung ist.

Da draußen ist heute das Meeting, wegen dem wir in den letzten Nächten nur begrenzt viel Schlaf bekamen. Heute haben wir daher Development-Verbot weil wir auf Ressourcen arbeiten, die während des Meetings verfügbar sein müssen.

Regen am Chiemsee

Das bringt mich in die komfortable Situation, einen Fahrplan für die nächsten Tage zu erstellen und mir jedwede Gedanken zu machen, für die in den letzten Wochen keine Zeit geblieben ist.

Selbst das Wochenende am See hatte nur den Hauch von Entspannung – sie sagte, ich sei so weit weg und in Gedanken im Projekt; es war komische während der ersten zwei Tage. Ich kenne die Dinge, von denen ich träume. Und muss Acht geben, sie nicht aus den Augen zu verlieren.
Das große Ganze ist um was es geht – und sie sagt: »Habe Vertrauen«.

Wir kamen in eine Diskussion während der letzten Tage. Noch immer nachhaltig beeindruckt von den Umzügen, die das wunderschöne Mädchen und ich in den letzten Monaten hinter uns brachten, stellte sich (zum wiederholten Mal) die Frage, ob nicht weniger mehr wäre und von was ich mich ohne echte Schmerzen (Stichwort: Phantomschmerz) trennen kann.

Am Main (In Frankfurt/Höchst)

Dann sagte sie: »Ich brauche unter anderem doch nur so wenig, weil du ja fast alles andere besitzt.«
Endlich konnte ich mich zurücklehnen und die oben gestellten Fragen mit Nein. und Nichts! beantworten. Die Diskussion war beendet.

Fast: Die Erkenntnis, dass das trotzdem nicht stimme, bohrte sich schon wenig später wieder nach oben. Das war mir neu. Normalerweise streichle ich in Zeiten wie diesen über das überflüssige Mischpult und schalte den DJ-CD-Player als Alibi ein; dann habe ich Ruhe für die kommenden Wochen. Das hier ging eine Nummer zu schnell; und das war für mich der Alarm.

Ich habe am Samstag mein DJ-Leben zur Post gebracht.
Bisher habe ich es nicht vermisst.

Nach dem Brand

Am Ende war dann alles ganz unspektakulär.
Sollte es sich nicht anders anfühlen? Da geht eine Ära zu Ende und das fühlt sich also so an. Wenn das immer so ist, lasse ich nie wieder eine Ära zu Ende gehen, jedenfalls nicht aufgrund eines Gefühls des Wechsels.

Da packt man sein Leben in Kisten, um Musik nur noch online zu kaufen. Man zelebriert das letzte Hören jener CDs, die einem einst so wichtig waren.
Und dann fühlt sich das seltsam vertraut und richtig an.
Macht’s gut!

Rüsten Sie auf!

Unter der Eiche, die uns vor dem bisschen Regen schützt, der noch fällt; eine halbe Stunde vielleicht oder eine ganze, vor der protestantischen Kirche aus Klinkerstein. In einem der hässlichen Teile dieses Bezirks.

Überrascht vom Wolkenbruch blieben wir in der Bahn, sind nun also hier, an der Endstation, in diesem Teil dieser Stadt, den man mit Industrie assoziiert. Wir sitzen und reden über Themen passend zum Ort, sind kurz davor, die Zeit zu vergessen. Bevor wir aufstehen und gehen. Vielleicht fünfhundert Meter durch Gassen, die man hier nicht erwartet, hinunter zum Fluss.

Dort sitzen wir wieder (und im Nachhinein: wir hätten dort bleiben sollen) eine angenehm lange Zeit, lesen und trinken guten Kaffee.
Wir ärgern uns nicht über die Zeit vor der Kirche – und für mich ist das irgendwie neu. Es fühlt sich besser an, als der Hass auf die Welt. Nur die Verzweiflung kommt ab und zu durch.

«Sag mal« sagst du und ich denke

Weg laufen

Ich würde weglaufen. Die meisten Wege die ich lief waren tausendmal schöner. Leute sagen mir heute, ich hätte vor zwei Jahren ganz anders gesprochen. Ich frage schnippisch zurück Ist das Kritik? Es gibt keinen Königsweg von hier bis zum Ausgang (glaube ich – vielleicht hätte ich vor zwei Jahren auch etwas anderes gesagt). Aber ich glaube zu wissen, eins gilt für alle:
Niemals aufhören zu laufen.

Sie fragen, warum ich mich quäle, nur weil ich dieses Jahr auf Schokolade verzichte.
Ich glaube, sie haben gar nichts begriffen; nennen sie das leiden, sähe ich sie gern einmal leben.

Dass ich gern mit der Bahn reise, hat sich bereits herumgesprochen nicht nur unter denjenigen aus meinem Freundeskreis, die passionierte Autofahrer zu sein scheinen. Es ist nicht so, dass ich ungern Auto fahre, aber an Tagen (wie dem vor ein paar Wochen), an denen ich zu einer Besprechung nach München reise, ist zehn Stunden Bahnfahrt deutlich angenehmer als eine vergleichbare Autofahrt.

Die Reisekiste

Der einzige Gegenstand in meinem Zimmer, der deutlich mehr Bahnkilometer zurückgelegt hat als ich, ist die alte Reisetruhe, die ich am Samstag in einer verstaubten Ecke eines Ladens entdeckte, in dem Dinge aus Haushaltsauflösungen verkauft werden. Es ist kein Laden, in dem man normalerweise das Glück hat, schöne Möbel für wenig Geld zu bekommen; er ist einer staubigen Lagerhalle vergleichbar, in der Einrichtungsgegenstände gelagert werden, für die Erben keine Verwendung mehr haben.

Die Kiste jedenfalls ist alt und mit den Initialen des Erstbesitzers versehen. Dass sie bessere Zeiten gesehen hat, ist ihr leicht zu glauben. Der Samstag auf der Zeil und dieser Platz in meinem Zimmer sind die sonnigsten Plätze seit sehr langer Zeit.

Wäre da nicht der BlackBerry
und wärst du mitgefahren (nicht nur zum Tragen!),
ich hätte mich noch ein bisschen mehr gefühlt
wie auf einer Reise vor einhundert Jahren.

Dieser ganze Kinderpornoscheiß gehört ausradiert.

Das ist der Kernsatz, in dem ich mit unserer Bundesregierung übereinstimme. Spreeblick hat eine Protestaktion gegen Internetsperren ausgerufen und die beiden Meme, aus denen ich den Titel für diesen Blogeintrag gebildet habe, finden sich zuhauf in den (Micro-)Blogging-Diensten. Irgendeiner der Einträge, über die ich gestolpert bin, eröffnet mit dem Zitat des Artikels 5 des Grundgesetzes: «Eine Zensur findet nicht statt.»
Dass eine Zensur grundfalsch ist, hat wohl auch die Bundesregierung eingesehen und scheint bereits etliche Ausnahme von den Sperrmaßnahmen festzulegen. So müssen nicht sperren:

  • staatliche Dienste (Hochschulnetze, Behörden-Provider, …),
  • kleinere Provider mit weniger als zehntausend Kunden.

Hier lässt man also absichtlich Schlupflöcher (um dem Vorwurf der Zensur argumentativ begegnen zu können?).
Wie sollen die Sperren technisch realisiert werden? Über die Nameserver der Provider? Dann verwendet man eben einen freien, unabhängigen Server. Dieser Ansatz wäre eine so technische Glanzleistung wie der Bundestrojaner, der für IT-Spezialisten nicht ernstzunehmende Rohrkrepierer (gibt es eigentlich eine technische Beschreibung dieses Stücks Software?).

Wenn die Regierung also offensichtlich (!) kein Interesse daran hat, jene Menschen zu überwachen (denn sie muss von diesen technischen Gegebenheiten wissen, lässt sie sich doch (hoffentlich!) beraten von Menschen, die hier kompetent sind), die tatsächlich Urheber des Übels sein könnten, die sich mit der Materie halbwegs gut auskennen (Kinderpornoanbieter oder Terrororganisationen haben einen Netzwerkadministrator, der sich sehr gut mit der Technik versteht – Und Jörg Tauss, von dem man schon lange nichts mehr hört, hat sich kinderpornografisches Material abseits des Internets beschafft und wäre mit einem Sperrfilter nicht daran zu hindern gewesen), wen wollen sie dann überwachen (und warum)?

Gilt das Argument, dass selbst wenn nur eine einzige Person daran gehindert wird, auf eine Kinderpornoseite zu surfen, all die getätigten Aufwendungen gerechtfertigt sind?
Wer dieser Argumentation folgt, hat auch nicht verstanden, dass man Probleme nicht (erst) anhand der Folgen löst.

Blogs sind irgendwie so erwachsen. Ich meine damit die ,,richtigen” Blogs, die zurecht hunderte Leser haben (,,zurecht” weil ich sie ja auch lese :-)).

In den anderen Blogs, damit meine ich Communities wie LiveJournal (mit dem ich damals selbst anfing), kursieren noch heute Fragebögen wie damals und man trifft dort noch immer die gleichen Leute, die heute genauso aktiv sind wie früher. Dabei schleicht sich das Adjektiv hängengeblieben in die Gedanken; man selbst schreibt jetzt schließlich (wo)anders, und man hätte doch kaum das eigene Blog auf dem eigenen Server mit der eigenen Domain, wenn man es damals beim LiveJournal so klasse gefunden hätte (wobei es phantastisch ist, dass solche Dienste existieren!).

Auch in der Blogosphäre, die sich gern vernetzt gibt, ohne den anrüchigen Muff einer Community, und doch irgendwie lose und frei ist – jedenfalls habe ich dieses Gefühl -, auch in Kleinbloggersdorf also existieren Fragebögen. Doch im Gegensatz zu jenen von früher wirken diese erwachsen – im Sinne der Fragen. Vielleicht gibt es die anderen auch, irgendwo am Rande, weit weg von meinem Bewusstsein; auch ich lese am Rand ein paar Blogs – wahrscheinlich häufiger als Blogs in der Dorfmitte – und ich lese sie gern, weil die Menschen mich faszinieren. Vielleicht ist man sich auch deshalb in der Schrift so sympathisch, weil man gemein hat, dass einen diese jugendlichen Fragebögen nicht mehr interessieren.
(Die Fragebögen sind nur ein Beispiel, das mir eben unter der Dusche einfiel. Vielleicht das Beste hierfür.)

Es sind Dinge unwichtig geworden.
Es haben sich Sichten verschoben.
Wir fahren ja heute auch anders.

Es ist beruhigend zu sehen
wie man älter wird

– Tomte – Theestube

Tunesien

Ich habe wirklich versucht, mich in sie hineinzuversetzen, mir vorzustellen, wie das ist, mit nur einem halb vollen VW-Bus umzuziehen – mit ihr ziehe ich gerne um – und was das bedeutet: Die Bücher aus der Stadtbibliothek, genau wie die CDs und kauft man Musik, dann doch über iTunes, so dass man von den physikalischen Randerscheinungen verschont bleibt.

Ich habe wirklich versucht, nicht daran zu denken, in manchem mir so lieb gewordenen Booklet zu blättern (zum Beispiel in jenem, in dem Thees seine Lieder erklärt oder in dem mit den Bildern), ich habe mir den CD-Ständer und die Plattenkisten weggedacht und überlegt, was ich an deren Stelle hätte.

Ich habe wirklich versucht, im iTunes Store jene Lieder zu finden (und ich fand sie fast alle). Sie sind billiger und ich kann sie sofort herunterladen und zwei Minuten später schon hören.

Ich freue mich auf den Briefträger, der in fünf Tagen kommt.
Weil ich weiß, wie alte Bücher riechen.
Weil ich weiß, wie alte Platten klingen.

LeseeckeEs gibt Listen, die ich führe und auf denen Dinge stehen, die ich mir wichtigen Menschen irgendwann einmal schenken möchte, größere Dinge, die man nicht einfach so und nicht zu Weihnachten im nächsten Jahr schenkt, aber eben irgendwann. Und es gibt Listen, auf denen jene Accessoires und Dinge gesammelt sind, die ich mir einmal schenken möchte. Auf dieser Liste stand einst jener Füller oder das Mobiltelefon, das ich nutze.

In den letzten Tagen hat ein Koffer den Weg auf die Liste gefunden, da die Geschäftsreise mit dem Rucksack zwar machbar, aber nicht eben stilvoll und angenehm war (schon gar nicht für die Kleidung).

Leseecke

Leider gibt es zur Zeit einen Ausgabenstopp (die Finanzkrise wirkt auch lokal) und monetäre Entscheidungen müssen durch einen strikten Bewilligungsprozess. Und vielleicht streiche ich den Koffer irgendwann, ohne ihn zu kaufen (wie einst diese Lampe). Doch heute macht mir das Träumen Spaß, wenn man weiß, was man an diesen Dingen, die dort stehen, hat.

Natürlich kommt man auch mit einem Opel Corsa von A nach B. Doch seit dem letzten Mietwagen finde ich die drohende Pleite nur für die Beschäftigten schlimm. Mir scheint, als teilte ich meinen Hass auf diese Geiz ist geil Gesellschaft nur mit wenigen, wie mit dem guten Freund, den ich letztens in Stuttgart traf.

Natürlich käme man auch mit einem Opel Corsa nach Stuttgart.
Doch wir reisten anders.

Scheiß Nazis!

In einer Etage dieses Gebäudes, auf der kaum wer noch arbeitet, weil sie jenen Fachbereich irgendwann schlossen, haust nur die eine verbleibende Professorin; und auch sie nutzt – soweit ich das sehe – andere Räume; in dieser Etage gibt es eine Toilette, die all jene benutzen, die Menschen nicht mögen.

Irgendjemand dort unten hat scheinbar Humor.

Wir sind nur Schatten (dafür zu zweit)

Er fragt sehr leise, bedacht, ich muss mich nach vorn beugen, um ihn zu hören. Dabei umfängt mich ein Hauch seines Atems, der nach Nikotin und Alkohol riecht. Ob ich Kleingeld hätte für etwas zu Essen; ich verneine wahrheitsgemäß, habe zwei Minuten vorher mein Kleingeld eingetauscht in jenen Becher Kaffee, der vor mir steht auf dem Tisch und auf den ich während meiner Antwort zeige. Er schaut erst zu ihm, dann zu mir, aus traurigen Augen.

Ein Beamter des Sicherheitsdienstes tritt an uns heran, auch er hat eine Frage an mich. Ob dieser Herr, wie er ihn despektierlich nennt, mich… weiter kommt er nicht, ich sehe ihn nach Worten ringen, die er nicht findet. Auf mein Verneinen reagiert er erstaunt und fragt wieder. «Ich weiß, was du willst« denkend sage ich »Nein.« Er wünscht einen schönen Tag und bleibt in der Nähe.

Ich will gerade meinerseits zur Frage ansetzen, als sich der Alte erhebt, wortlos, und geht.
Gern hätte ich erfahren, warum man sich hier, in der Universitätsklinik in Göttingen, um ihn kümmert.

Ich wäre dort geblieben.
Klar, am Anfang war das wieder ungewohnt, nicht nur wegen der Sonne, die schien.

Rovereto
Und so fuhren wir wieder über die Berge zurück in den Nebel. Und wir waren beide wieder da. Ich weiß nicht, ob wir uns beide freuten. Ein bisschen natürlich; wegen der Freunde.

Draußen lärmen sie aus der Küche und ich habe Angst vor dem Rückweg durch den Wald, der heute Abend über mehrere Eisflächen führt. Es ist still dort draußen, ich folge den Spuren eines Hasen, der Stunden vor mir den Weg nahm und sich bestimmt angenehmer gefühlt hat. Vielleicht sitzen er und sie im Dickicht, lachen sich kaputt über die Spuren, die von mir bleiben.

Waldweg

»Wir sind nun im Zeitalter des Wassermanns«, sagt mir die Mitbewohnerin. Ich frage »Und vorher?«. Sie antwortet: »Zeitalter der Fische.« Dann hat sich ja nicht gerade viel verändert, werfe ich ins Bett gehend ein.

Es ist ungemütlich in diesen Tagen, wir wünschen uns die Gemütlichkeit und warten wie Hunde auf ihr Herrchen. Wenn es soweit ist, fahren wir in den Urlaub.
Irgendwo ans Meer vielleicht.
Irgendwo, wo es schöner ist.

Mit im Boot sitzt ein Matrose
er ist tot und rubbelt Lose
und singt Lieder über dunkle Jahreszeiten

Kapelle Petra – Uh Ganda

Lomo

Wir sind doch erwachsen!
Und dieses Wochenende bin ich wieder etwas erwachsener geworden.
Ich hoffe, es zu sein (dass wir es sind).

Drüben am Tisch ein Scheidungskind mit seinem Vater, der gerade Besuchsrecht wahrnimmt (wie bitter).
Ein weinendes Kind, das im Restaurant malt und ein Vater, der erfolglos zu trösten versucht.
Ein weinendes Kind, das sich malt und ihn, um noch morgen zu wissen, er hat mich gestern besucht.

Der eine sagt, mischte man alle Farben, bekäme man weiß.
Der nächste macht genau dies und steht vor einem Eimer klumpigem Braun, bestenfalls Schwarz.
Ein noch anderer meint, Farben gäbe es sowieso nur bei Licht
und der Besserwisser schwenkt mit Band 8 (Enu-Fils) und lehrt: «Schwarz und Weiß sind keine Farben!»

Ich muss ungefähr fünfzehn Jahre alt als gewesen sein, als ich mit dieser gesamten Farbenlehre abschloss. Kurioserweise lautete das Thema im Kunstunterricht gerade «Zeichnen mit Graphit» (oder jedenfalls ähnlich), doch genauso wenig wie ich mit dem Graphit schwarz zeichnen konnte, hatten wir weißes Papier. Am Ende stand ich vor meinem Kunstwerk, ahnte, dass ich mich gerade nicht mit Ruhm bekleckert hatte und schaute auf meinen mattgrauen Autotransporter, akkurat gezeichnet mit Lineal ungeschickt auf gelbes Papier. Es sah dämlich aus, musste sogar ich zugeben.
Das Donnerwetter war groß: Wie wenig Phantasie ich denn habe?! – «Aber wenigstens gerade.»
Seitdem sind mir Farben egal.

Es gibt da diese Firma, die andere erst spät entdecken.
Von denen steht hier ein weißes Regal.

Hier spricht man Englisch.

P1

Wir sitzen

in einer Weltstadt

in einem Pizza Hut

hier trifft sich die Hochfinanz
ein paar Meter weiter

und ich warte auf dich

hier werden Entscheidungen getroffen binnen Sekunden ohne einen Parameter zu vergessen

«Streicheln oder Essen?»

«Dann bitte mit Fleisch.»

Meine Uhr sagt «noch ein paar Minuten»
Mein Magen «maximal zwei!»

Look at the bear!
Look at the belt!
I bought it today!

Und die da hat Kinder. (Oder trägt sie das selbst?)
Nein, es ist für sie. (Ich hoffe, sie hat keine Tochter!)

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