Zweiter Aufzug, zweite Szene

Im Treppenhaus begegnete ich einem der beiden Jungs, die über mir wohnen. Die Nachts von irgendwo in die Wohnung zurückkehren und dreißig Minuten später wieder gehen, falls sie nicht zu kochen beginnen und bis in die Morgenstunden überlaute Futurama-Folgen konsumieren. Die ab und zu trampeln, als sei eine Herde Elefanten zu imitieren, Möbel rücken, dass meine sich aus Solidarität mitbewegen oder am offenen Küchenfenster das gleiche Bon-Jovi-Lied fünfmal hören.
Passend war das auf mein rundes “Hallo” im Stakkato erwiderte “Hi”. Hier prallen Welten aufeinander, filigran auf grob, die Liebe zu runden Ecken auf kantiges Gehölz.

Immer wieder ertappe ich mich bei Gedanken, die mir verständlich die Unsympathie gegen Marburg und einige Studenten erklären. Hätte man mir damals gesagt, dass ich der Zeit in Frankfurt, dem BWL-Studium, nachtrauern würde, hätte ich lauthals gelacht, den Finger zur Stirn. Es geht nicht darum, dies in einer “Was wäre wenn”-Konstellation zu analysieren, denn sicher mag ich die zwischenzeitlich geknüpften Bekanntschaften und die gemachten Erfahrungen nicht missen, im Hinterkopf schwingt dennoch seit geraumer Zeit ein “so schlimm war das doch nicht” mit. Hier regen mich ja doch alle nur auf.
Und wenn ich alle sage, meine ich viele.

Ihr wollt Narren sein?
Was wisst ihr von Verrücktheit?

4 Gedanken zu „Zweiter Aufzug, zweite Szene

  1. … und mit ‘filigran’ meintest du dich, ja? ich bin sicher, du wolltest schreiben ‘den finger im hals’. aber …

    zwischendrin machte ich mir schon sorgen. wiedermal um deinen stil, niels. und dass du tatsächlich irgendwann wieder eine gitarre findest (urinrot?), vielleicht bei einem verfehlten griff zum kühlschrank. aber willst du einen altväterlichen tip (und wer wäre dazu besser geeignet als ich, der ich dein v… ach, lassen wir das)?

    kunst kommt nicht von klotzen. auch nicht von kotzen. nicht von klecksen und nicht von … katzen (mir fällt nix mehr ein)

    vom träumen kommt sie. ganz bestimmt

    liebe grüsse von deinem kritischen v… ach nein, wieder falsch, das da wars: freund. ja genau

  2. Weißt du, die Welt besteht nicht nur aus Marburgs und Frankfurts. :) Und Vergangenheit verklärt, soll heißen: Die Tatsache, dass heute alles beschissen ist, heißt nicht zwangsläufig, dass es früher besser war…

  3. Mensch Niels, spar dir die Nerven, viele Leute über die man sich aufregt, sind es gar nicht wert. Und bei denen, die es sind, erkenne dich selbst.

    Hm, da gabs doch mal nen schlauen Spruch zu… Wikiquote sei dank:

    “Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bild etwas, was in uns selber sitzt. Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf.” -Hermann Hesse”

  4. “Ich sitze am Straßenrand. Der Fahrer wechselt das Rad. Ich bin nicht gern, wo ich herkomme. Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. Warum sehe ich den Radwechsel mit Ungeduld?”

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