Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Heute lag ein Brief in der Post, ein einziger nur für dieses ganze Haus und er war für mich. Ich erkannte ihn sofort am Briefumschlag; ich war mir vom ersten Moment sicher, dass es die Freundin aus Hannover war, die schrieb. Darin ein Foto, ein Foto von mir, das auf der Zwischenlandung ihres Fluges nach Istanbul im September des letzten Jahres entstand. Darauf trage ich einen Anzug.

Obwohl man den Anzug nicht gut erkennt, erahnt man doch, dass er mir steht. Ich trage Anzüge gern und doch viel zu selten. Zur Zeit trifft man mich im Wald vorrangig in Blue Jeans, einem grauen Troyer und Wanderstiefeln: Der Anzug und die dazu passenden Schuhe eigenen sich nicht für den Weg über zugeschneite Wege. Ein Kollege sagt, meinte ich das mit den Anzügen ernst, hätte ich einen für untertags im Büro. Das ist natürlich Quatsch, außerdem sind Anzüge in unseren Gebäuden dort oben Perlen vor (in diesem Bereich) apathische Säue.

Gleichzeitig will ich nicht auf die Wanderung (oder die Radfahrt) durch den Wald verzichten; ich trage auch den Troyer gern und in öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie den Bussen dieser kleinen Stadt wird mir zuverlässig flau. Ich genieße die Luft und das Fehlen der Menschen, die in Bussen stets niesen und husten.

So hat beides seine Seiten die ich sehr schätze. Auf Fotos machen sich Anzüge selbstredend besser, doch:

Hab ich das eine
vermiss’ ich das andere.

Ich habe in der letzten Woche viermal zwischen zwei Handys gewechselt – aus vergleichbaren Gründen. Mit meinem Wunschberuf verhält es sich ähnlich, ebenso mit der Stadt, ich der gern lebte (nicht einmal das Land!).

Hört das irgendwann auf?
(Es ist recht anstrengend so.)

Ein Gedanke zu „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

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