You play banjo, I play dead

Im Café, in dem du nie zuvor saßt, doch sitzen wolltest; kurz bevor es dazu kam, zog deine Verabredung dann nach Hamburg. Also liefst du wieder monatelang nur an der Panoramascheibe vorbei, hinter der ab und zu die Katze müde auf den verregneten Platz schaute.

Der Tag ist trüb und du zu spät für die studentische Frühstückszeit, das Café leer, du suchst den Tisch hinter dem Panoramafenster und beobachtest einen Greenpeace-Aktivisten, der Unterschriften sammelt. Hinter dir schwärzt eine Kerze die vergilbte Wand, vor dir räkelt sich die Katze und genießt deine Hand auf ihrem Fell. Du trinkst Kakao und isst eines der besten Baguettes dieser Stadt, draußen regnet es seltsam vertraut. Die Begleitung erzählt von Norwegen, wo du das letzte mal vor vielen Jahren warst, da wäre der Regen schöner als hier.
Und die Katze schnurrt; sie sieht nicht, wie der Aktivist resigniert, eine Tramperin mit einem Pappschild vorbeiläuft und die Familie das letzte Bierfass aus der Wohnung der Tochter im Auto verstaut, bevor sie Marburg den Rücken kehren.

3 Gedanken zu „You play banjo, I play dead

  1. “es kann ja nicht immer regnen”, war mal ihr Lieblingssatz, bevor die Mundwinkel kaputt gingen und die Tastatur klemmte.

    “Wenigstens sieht man dann die Tränen nicht so”, hat sie gesagt, wenn es regnet gemeint, und er geantwortet, dass er deswegen den Regen mag.

    heute schien die Sonne.

  2. »Und wenn das alles ausgestanden ist, warten wir nicht einen Tag.
    Wir fahren irgendwo hin, wo es Glühwürmchen gibt und besseres Wetter.«
    (Locas in Love – Wartezimmer)

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