Wir, die uns nach Kräften mühen

Ich antworte stets, dass ich gern wohne, wo wir wohnen. Einzig der Weg aus der Stadt, der in jeder Himmelsrichtung nicht weniger als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, trübt das Bild dieser Lage. Ausnehmend oft vergesse ich dabei, dass ich zwanzig Minuten brauche in dieses Café in dem ehemaligen Gewächshaus des Schlosses, einhändig und ohne mich groß zu bemühen.

Schloss Nymphenburg

Gut drei Stunden hingegen benötigt man bis hinunter an den See. Etwa die Hälfte der Zeit habe ich am Sonntag gebraucht bis in den Schatten jener Kirche, in dem ich auf einen Freund wartete, der mich abholte und mir einen Satz neuer Laufräder lieh. Er fährt ein italienisches Auto älterer Bauart, das wenig später vor der Konditorei nicht mehr anspringen wird. Und ich erinnere seinen Satz, einen Defekt am Auto oder am Rad stets als Chance zu sehen auf Veränderung, eine Änderung des eigenen Lebens. Durchaus, ich hätte die Speiche an einem anderen Berg verlieren können und nicht an diesem Kirchberg, der mir den Aufenthalt angenehm macht. Sonntags, irgendwo im Süden von München.

Endlhausen

Das Auto bringt uns endlich doch auf seine Terrasse, wir genießen Torte am Fuße der Berge und fahren später auf dem Rad diese Strecke am See, entspannt an den Kolonnen der Autos vorbei, die Richtung München zur Autobahn drängen. 

Ich weiß nicht, ob ich alt genug wäre für ein Leben dort. Wahrscheinlich. Doch ich genieße unsere Wohnung, die Lage und die Museen. Wenn ich die Münchner satt habe vor unserer Wohnung, flüchte ich diese zwanzig Minuten in das Gewächshaus, einhändig, das zerbrochene Laufrad in der anderen Hand – es dem Radladen zu bringen – auf einem geliehenen Satz.

Sonnenuntergang am Tegernsee

Am Sonntag trugen wir Eddy-Merckx- und Campagnolo-Trikots und fuhren teure italienische Rahmen. Das wunderschöne Mädchen, ohne Click-Pedale und in Jeans, ließ uns am ersten Berg buchstäblich stehen.

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