Wenn wir einmal heiraten, dann schick’ ich Dir ein Bild aus Wedding

Kurz hinter Halle steht ein altes Gebäude, ein roter Backsteinbau, in der Nähe der Gleise. Während klimatisierte Hochgeschwindigkeitszüge vorbeirasen und Wirtschaftsprüferaugen in Laptops starren, bleibt mein Blick hängen an der Backsteinwand dieses Hauses auf Höhe des ersten Stocks, die nur noch halb existiert. Die andere Hälfte hat der Wind, der hier über die Ebene pfeift, vor Monaten eingerissen. Das Gebäude steht seit Jahren verlassen, wahrscheinlich diente es einst als Fabrik, vielleicht als Werkstatt in Familienbesitz. Ebenso wahrscheinlich zog das Kind der Familie für die Ausbildung nach Berlin.

Ich kann mich nur leidlich erinnern an den Winter 2008. Gegen Jahresende zog das wunderschöne Mädchen nach Berlin und blieb für Monate dort. Aus dieser Zeit kenne ich wunderschöne Ecken, weiß wo das Tacheles steht, die Philharmonie, und seither lehne mich lässig zurück, wenn jemand fragt, ob wir uns treffen wollen an den Hackeschen Höfen und ob ich weiß, wo das ist.

Heute morgen im Nieselregen, an den Ufern des Spreebogens, wusste ich nicht mehr genau, warum ich Berlin damals nicht mochte. Es ist müßig, darüber zu grübeln; Es hilft sowieso nicht, einen Fehler nicht wieder zu machen. Heute morgen im Spreebogen dachte ich auch an den Tod meines Großvaters und die mahnenden Worte der Eltern, zu erinnern was ich an ihm mochte, sicher abgeschirmt vor den Toren der Klink.

Kurz vor der Wildnis

Und ich erinnerte das Gespräch gestern im Bordbistro des Schnellzugs. Irgendwo zwischen Jena und Halle sagte M. «Hier drüben ist Deutschland wundervoll grün.» 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.