Wenn einem die richtigen Worte fehlen, ist das noch lange kein Grund, die falschen zu benutzen

Ich treffe den Spitzenkandidaten auf der Straße: Waren Sie schon wählen?

Ich muss mich zusammennehmen, nicht in die alten Verhaltensweisen zu verfallen, über die ich mich im Nachhinein immer selbst ärgere: Ich würde sagen: nein und blöd grinsen, in meiner Phantasie und zu Hause vorm Spiegel würde ich natürlich anders, cooler agieren.

Ich so: Wählen? Zwischen was?
Er so: Heute ist Landratswahl. Sie sollten Wählen gehen, wir brauchen Ihre Stimme.
Ich so: Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich bin zum Wählen viel zu verschnupft.

Mit dem letzten Satz sperre ich die Haustür auf, merke im Hausflur, dass ich allein bin.
Hoffentlich habe ich gar nichts gesagt.

(Überschrift aus »Bronsteins Kinder« von Jurek Becker)

1 Gedanke zu „Wenn einem die richtigen Worte fehlen, ist das noch lange kein Grund, die falschen zu benutzen

  1. du bist ja ganz schön fix … und hoffentlich verrätst du mir dann ebenso schnell, wie es dir gefallen hat

    (und ob du verstehst, warum ich – ihr – ausgerechnet dieses buch verschenken wollte)

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