Warum ich Blog schreibe

Aus aktuellem Anlass.
Eine Affinität zum Schreiben hatte ich in jungen Jahren nicht wirklich: In der Schülerzeitung war ich nie aktiv, Geschichten habe ich auch zu Hause nicht geschrieben.
Die Geschichte des Bloggens fängt ja bei vielen auf der eigenen Homepage an. Auf meiner war das in Form von News, in denen ich Veränderungen gegenüber der Vorversionen festhielt. Natürlich war und ist das keineswegs vergleichbar mit dem Schreiben eines kurzen Textes. Die Zielgruppe ist die selbe: Die Besucher der eigenen Homepage. Vermutlich (oder hoffentlich) lesen Besucher diese Texte lieber als die News ihrerzeit.
Den ersten Blog, der diesen Namen auch verdient, führte ich mit dem Dienst LiveJournal. Hier stand der Gemeinschaftssinn im Vordergrund, anfangs konnte man sich kein neues Journal anlegen, ohne von einem schon partizipierenden Nutzer eingeladen zu werden. Als diese Beschränkung fiel, ging ein lauter Aufschrei durch die Reihen der Alteingesessenen, der eine Gründung einer Community für die “Livejournal-Elite” zur Folge hatte. Die Sache mit dem Gemeinschaftssinn schien also geklappt zu haben. Schaute man sich die Mitglieder der Gruppe an (bzw. las ihre Journale, soweit möglich), hatte man allerdings kaum das Gefühl, in einer erlitären Gruppe zu sein.
Es gab vielfältige Möglichkeiten, sich die Leserschaft selbst auszuwählen; Diverse Filter konnten angewandt werden, damit Beiträge nur selektierten Personen zugänglich waren. Viele Blogs auf LiveJournal sind so konfiguriert, dass man als Außenstehender bestenfalls einen Hinweis auf den “friends only”-Status zu lesen bekommt.
Vor noch gar nicht langer Zeit kehrte ich diesem Dienst den Rücken, zu genervt war ich von den Personen, die sich dort tummelten. Am Lesen hatte ich keinen Spaß mehr, vom Schreiben ganz zu schweigen. Ich kündigte also meinen Account und blieb ein paar Wochen ohne Blog. Kurze Zeit später kam Blogs! auf den Markt und mit ihm meine Lust am Schreiben zurück. Das (für Doreen) programmierte PHP-Skript musste nach wenigen Tagen einem ausgereiften System weichen – jenem, das auch dem Blogs!-Weblog zu Grunde liegt.

Die Frage, warum ich schreibe, kann ich für mich selbst nicht vollständig beantworten. Vorbelastet – wie erwähnt – bin ich nicht, zwar habe ich irgendwann früher ein Buch schreiben wollen und bin zwei Seiten weit gekommen, aber wer kann das nicht von sich behaupten? Die Veröffentlichung von Texten gibt jedem eine recht unkomplizierte Möglichkeit, die eigene Sichtweise, Meinung und Kritik öffentlich darzustellen. Die Homepage oder externe Dienste wie das oben genannte Livejournal, blogger.de oder antville.org (nur um wenige zu nennen) , stehen auch unbedarften und weniger erfahrenen Benutzern zur Verfügung. Ãœberdies kann man nur durch regelmäßiges Schreiben seine Formulierungen schärfen und gewinnt die Fähigkeit, sich vernünftig äußern zu können.
Schön ist, dass man sich beim Schreiben anderen Gedanken als im Alltag widmen kann. Oder dort angefangen Gedankengänge weiterverfolgen und zu Ende denken kann, die eigenen Gedanken auch nachlesen, Revue passieren und revidieren kann.
Und ohne Frage dient ein Weblog in jedweder Form ebenfalls der Selbstdarstellung.

Einen Fehler darf man beim Lesen eines Blogs nicht machen. Es zeigt nicht die Person als Ganzes, es zeigt lediglich die Seiten des Autors, die er öffentlich wissen möchte. Ein Blog erhebt nicht den Anspruch, Intimes zu verraten, nicht einmal der Wahrheitsgehalt der Texte kann garantiert werden: ein Weblog kann Geschichten erzählen wie verbergen. Alles kann, nichts muss. Und auch dies ist eine sehr angenehme Eigenart des Schreibens.
Mein Blog hat nicht die Ãœberschrift “Tagebuch”.

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