Vom irrationalen Versuch, die Menschen zu lieben

Ich bin zeitweilig nur begrenzt gut auf Menschen zu sprechen. Vielleicht liegt das an meiner Sozialisierung, die mit einem guten Wiener Freund und dem Autoren Thomas Bernhard zusammenhängt; dass es indes nicht schlecht ist, unvoreingenommen in fremde Länder zu reisen, hat sich unzählige Male gezeigt.

Küchenschrankkunst

Als wir am Sonntag in das Münchner Künstlerhaus kamen, hatte mich der Begriff Kammerkonzert begeistert und – wie sich wenig später herausstellte – geblendet. Ich mochte bisher stets die Instrumentierung bei Kammermusik und ihre Weise.

Tatsächlich hätte es mir Warnung sein können (ja: müssen!), dass ein Akkordeon spielte. Tatsächlich hat mich der Begriff »Faschingskonzert« nicht stutzig gemacht. Beides Folgen des Versuchs, meiner Skepsis (und Erfahrung!) gegenüber Mitmenschen keine Beachtung zu schenken – wie sagt man so schön: offen zu sein. Erst als vor uns ein mittelalter Mann Platz nahm in einer mit Löwen bemalten seidenen Weste, kroch die Vorahnung – mit ihr die Verzweiflung – eiskalt an meinen Beinen hinauf. Dann saßen wir da. Staunend. Und flüsterten uns in der Pause zu, man könne, ginge man jetzt, noch schnell etwas essen. Doch entschieden wir uns für die – noch irritierendere – zweite Halbzeit eines Potpourris, das wir nicht verstanden, das uns nicht berührte.

Der Pöbel tobte zuletzt. »Wir sind«, raunte ich ihr zu, »gefährlich nahe an Österreich.« Selten habe ich Bernhard verstanden wie in jenem Moment. Und doch weiß ich wohl: Mit Österreich hattte das gar nichts zu tun.

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