Vom Drama, Zeit zu besitzen

Manchmal sind alle Tage grau. Und es gibt ja durchaus genügend Dinge, über die man sich aufregen kann. Etwa, dass man hier nur im ersten Stock wohnt und der Museumsbau gegenüber seit 2009 nicht nur den Alpenblick versperrt – die hat man sowieso nur von den oberen Stockwerken dieses Hauses gesehen – sondern auch seinen Schatten in die Wohnung wirft, da die Wintersonne in diesen Tagen zu niedrig steht. Oder dass man sich von Wochenende zu Wochenende hangelt, weil die Arbeitslast atemberaubend ist und die Deadlines nahen.

Irgendwo vor Augsburg

Ich finde bewundernswert, dass Madame nachts bis drei Uhr tanzen kann: Mir fallen auf (sogar guten) Partys spätestens um zwei Uhr die Augen zu. Die sich abends aufraffen können zum Sport beglückwünsche ich immer zu ihrer Überwindung, wohl wissend, dass mir die Tage selbstgewählt so kurz erscheinen und Zeit bleibt für beinahe nichts. Natürlich könnte ich U-Bahn fahren statt radeln und damit vielleicht eine Stunde gewinnen. Aber dann verpasse ich, was ich im anderen Fall erlebe.

Ich werde manchmal gefragt, ob ich regelmäßig Sport treibe. Oft verneine ich, weil ich mich wirklich daran nicht erinnre. Heute erst sagte ich zu ihr, dass ich sie nicht um ihre Hobbys beneide, wohl aber dass sie für etwas brennt. Sie widersprach, zählte zwei, drei Dinge auf, die mir so normal scheinen, dass ich sie vergesse.

Irgendwo hinter Augsburg

Doch eigentlich grummle ich nur aus Neid, weil ich weiß, dass es anderen besser geht. Zeitlich gesehen, finanziell sowieso. Die senden mir Fotos aus Italien, Bilder von einem See. Und dann, Sonntags morgens manchmal, habe ich auf einmal ganz schlechte Laune.

Allerdings: Ich glaube, die Argumentation geht auch andersherum gut. Wie das halt so ist mit dem Gras auf der Weide nebenan, das immer grüner leuchtet. Denn die braunen Flecken sind nicht Teil der Phantasie.

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