Vom Broadcasting zum Broadcatching

In der aktuellen Ausgabe der de:bug (#86) ist dem “Ende des Fernsehens als Broadcasting-Medium” ein recht langer Artikel gewidmet. Dem Wandel also von passivem Konsum aus den Fernsehsesseln hin zu selbstbestimmtem, aktivem Konsum.
Wie dieser in den letzten Monaten aussah und sich in Zukunft entwicklen könnte, wird vom Autor grob geschildert: Den bereits erhältlichen, aber noch spärlich verbreiteten “persönlichen Videorekordern” (PVR, auch als DVR oder TiVo bekannt), die einen “Service, um den Zuschauer zu emanzipieren” bieten, wird als ebenfalls etabliertes und dem bereits heute aktivem Konsum zugrundeliegenden Protokoll BitTorrent gegenübergestellt. Beide Techniken in Verbindung mit RSS, dem sehr verbreiteten XML-Format zum News-Austausch, ermöglichen ein Abonnement beispielsweise von Fernsehserien, deren vollständige Staffeln der TiVo eigenständig zusammensucht und für den Benutzer vorhält.
Einen Schritt in diese Richtung haben die PVRs spätestens mit der Möglichkeit der eigenständigen Programmaufnahme gemacht, die dem Benutzer- (sprich: Fernseh-)Profil des Besitzers gerecht werden soll. In einigen Fällen schätzt das Gerät die Vorlieben allerdings falsch ein, so dass es immer wieder zu lustigen Episoden kommt:

Aus unerfindlichen Gründen dachte mein TiVo, ich wäre schwul. Jedenfalls hat er immer nur Schwulenfilme aufgenommen. Ich habe dann versucht, ihn umzutrainieren, indem ich ausschließlich harte Kriegsfilme programmierte. Jetzt denkt er, ich wäre ein Nazi.

Dass dieses Szenario durchaus im Bereich des Möglichen, sogar in naher Zukunft liegt, verdeutlicht einmal mehr ein Open Source Projekt: MythTV leistet all das oben beschriebene bereits auf Basis eines Linux-Rechners mit TV-Karte und ausreichend Plattenplatz. Per Plugin gelingt sogar die Verquickung von RSS und BitTorrent.
In einer Zeit, in der RTL gegen die “Fernsehfee” zum automatischen Ausblenden der Werbeunterbrechungen klagt, ist der Medienriese bereits von der Realität überholt.

Dumm gelaufen für den Sender, der bekannt geworden ist durch seine juristischen Fachproduktionen wie “Das Familiengericht”, “Das Jugendgericht” und “Das Strafgericht”, seine medizinischen Lehrfilme wie “Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen”, seinem investigativen, kritischen Journalismus (“Exklusiv – Das Star-Magazin”) und der seinen Zuschauern sogar psychologische Beratung bietet (“Vierbeiner auf der Couch – Wenn Tiere einen Tick haben”).

Dumm gelaufen auch für das Auditorium, das dankbar für das Abnehmen der Entscheidung ist, welchen Mist man sich jetzt überhaupt anschauen sollte.

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