Vittoria!

Die Schlagzeilen schreiben, die Zielsetzung bezüglich der Anzahl olympischer Medaillen sei viel zu hoch und unrealistisch obendrein. So ist das eben in einer leistungsorientierten Wertegesellschaft, wie sie von Politik und Wirtschaft propagiert und durchgesetzt wird. Da geht es nur um Planerfüllung und das Einhalten irgendwelcher Kennzahlen, da geht es um Sanktionen und Malus-Punkte, die bei steuerfinanzierten Leistungssportlern sicherlich andere Auswirkung haben als bei eigenverschuldeter Arbeitslosigkeit in Folge der Kündigung eines unpassenden Arbeitsverhältnisses. So ist das, man muss sich nur einrichten darin.

Hasenbergl

Ich kann die Gewinner der Leistungsgesellschaft jeden Abend sehen, wenn sie in der Schlange vor unserer Eisdiele stehen und ich kann sie hören, wenn ich im Keller Laufräder montiere, Ketten öle oder mich sonst um die Räder kümmere, auf denen ich die fünfzehn Kilometer ins Büro in gut einer halben Stunde schaffe. Es gibt Stimmen, die ich wiedererkenne, die vielleicht täglich in gebrochenem Italienisch ihre Begleitungen zu beeindrucken suchen, für einsdreißig je Kugel Basilikum-Zitrone oder Italienischer Kuss.

Nymphenburg

Die Einen verlangen 86 Medaillen, andere ständig mehr Umsatz und Wachstum und die Übrigen fordern Chinesischlernen mit zwei. Unter uns: Chinesisch für was? Für die Montageanleitungen der Ersatzteile muss ich Italienisch verstehen wie auch für den Weg nach Meran vorbei am Tegernsee und hinauf über Brenner und Jaufenpass. Und draußen im Wald, an den Ufern des Flusses, reichen die Brocken der Sprachen, die ich erinnre. Vielleicht weil kein Porsche auf die Feldwege passt und die Leistungsväter und -mütter ihre Brut in SUVs zum nächsten Tennisclub fahren. Zu einem Muttersprachler. Man weiß ja nie.

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