Viola Tricolor

Da sind wir also am See. Heute vormittag haben wir die Stadt verlassen, weil es hier einen Schreiner gibt, der sich nach der Streichung der Fördergelder für ein Projekt, in dem er mit Jugendlichen alte Möbel restauriert und wieder verkauft hat, selbständig machte und nun an der Hauptstraße im Erdgeschoss seines Hauses das gleiche macht wie vorher, nur eben ohne Jugendliche. Das alte Projekt war natürlich nicht rentabel und wahrscheinlich vermochte niemand seinen Erfolg zu bewerten, ein Preisschild an ein soziales Programm zu heften. Er sagt nur: »Manche haben das Besserwissen eben studiert«. Dann raucht er in der Tür.

Vitrine

Im Erdgeschoss finden wir nicht, was wir suchen, doch er erwähnt eine Scheune vor den Toren des Orts, die ebenfalls ihm gehört und wo weitere Möbel – teilweise unrestauriert – stehen. Weil er Zeit hat, bietet er an, dass wir uns nach Geschäftsschluss dort treffen und um kurz nach zwei heute Mittag stehen wir dort. Er ist nur zwei Minuten früher angekommen und räumt noch Dinge aus seinem Fünfzehnhunderter Fiat, den er seit seinen Lehrjahren fährt. »Seit fast vierzig Jahren« sagt er, lacht und öffnet die Scheune.

Uhr

Kuchen

Und so kamen wir noch zu unserem Schrank, der jetzt in jenem Auto liegt, mit dem die Damen in die Oper gefahren sind. Ich stattdessen sitze auf dem Balkon, esse zu viel Kuchen und schaue hinüber zur Kampenwand. Es ist wie nach Hause kommen, es gibt schlimmere Tage als diesen und es gibt furchtbarere Menschen als ihn. Hier kommt alles zusammen, der Ort und der See, sie meinen es gut.

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