Valentinstag

Dass der Semesterferien erster Tag ist, erkennt man an der etwa halbierten Einwohnerzahl Marburgs. Wir befinden uns kurz hinter dem Scheitelpunkt einer (die Zahl anwesender Einwohner repräsentierenden) horizontal gespiegelten Normalparabel, sind also noch nicht ganz da, aber auf dem besten Wege zu leeren Wohnblöcken und spärlich besuchten Cafés. Die Busse tragen hölzerne Valentins-Herzen vor ihren PS-strotzenden Bäuchen und am Rudolphsplatz rammen unbeeindruckt die Baumaschinen Stahlträger in den Boden.
Völlig unerwartet traf ich also auf einen Freund, bei dem sich die Marburger Regel ebenfalls zu bestätigen scheint: Sobald man mit Bekannten in einer Stadt wohnt, sieht man sie seltener als in den Jahren davor. Er verschob seinen Mensabesuch für ein paar gemeinsame Minuten, die wir redend und lachend auf von Elektroartikeln abgegrenzten Pfaden verbrachten.

Was ich bis gestern nicht für mögich gehalten hätte: Auch im nächsten Semester besuche ich wieder einen Spanisch-Kurs. Ich kann nicht behaupten, vor Motivation zu strotzen, aber Vernunft und Doreens Hundeaugen siegten. Somit verbleibe ich in stiller Hoffnung, Ende Juli wenigstens das Gefühl zu haben, mich im spanischsprachigen Ausland bewegen zu können.

Was Dennis irgendwann erwähnte, tritt auch nun wieder auf: Eine nicht kleine Menge meiner Freunde tritt zu Beginn der Ferien die Heimreise an. Irgendwie scheint der Studienort nicht als Heimat zu gelten, die Wochenenden werden sowieso nicht hier verbracht und darüber hinaus scheinbar kaum eine freie Minute. Abgesehen von dem zu erwartenden Schlag gegen den Kopf – sollte ich mit Reisekoffern vor der Haustür meiner Eltern auftauchen – als Verweigerung der Wohnberechtigung für länger als 2 Tage käme ich ohnehin nie auf die Idee. Wenn ich sage, dass ich “nach Hause” fahre, meine ich die Wohnung in Marburg. Was, zugegeben, eine Weile gedauert hat.

Übrigens habe ich das erlösende Gefühl, dass sich etwas bewegt; in mir, in meinem Kopf. Beste Voraussetzungen.

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