Universität als Hort der Dummheit?

Der AStA Marburg versendet Spam, getarnt als Protestmail gegen Studiengebühren. Unter http://www.freie-bildung-ueberall.de/ wurde ein PHP-Script installiert, welches ein vorgefertigtes Schriftstück »an alle hessischen Landtagsabgeordneten der CDU und FDP mit einem Mausklick verschick[t]«.

Nach Eigenauskunft beteiligten sich 1302 Personen in vier Tagen, das entspricht 67756 Mails insgesamt oder 1302 Mails pro Abgeordnetem, also knapp 326 eMails pro Abgeordnetem am Tag. Ein Herr Mölller von der hessischen CDU hat reagiert und Mail-Weiterleitungen auf einige ihm bekannte Adressen der Protestbewegung gesetzt. Zwar stimme ich mit Möllers Einstellung pro Studiengebühren in keinster Weise überein, bin jedoch bei der Weiterleitungsgeschichte auf seiner Seite. Weitere Hintergründe bei heise.de und dem Protestblogger.

Der AStA Marburg, attac Marburg und das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren haben sich hier wieder mit blindem Aktionismus gepaart mit »Ich kann PHP!« hervorgetan und agieren ähnlich intelligent wie die »Alles für alle und zwar umsonst« blökenden Vollpfosten auf den absolut notwendigen Demonstrationen gegen Studiengebühren.
Herr Reinhard aus dem Impressum weiß schon, warum er keine eMailadresse angegeben hat.

Der Mann auf der Straße macht sich keine Vorstellung, in welchem Maße gerade die Universität ein Hort der Dummheit ist.

(Siegfried Streufert, amerik. Intelligenzforscher)

edit: Gerade ist der Mailomat vom Netz gegangen.

17 Gedanken zu „Universität als Hort der Dummheit?

  1. Parolenblöken gehört nunmal zu Demos dazu. Eine Demo ist ja schließlich keine Diplomarbeit – differenziert werden kann anderswo.
    Und für zugespammte Abgeordnete kann ich wenig Mitleid empfinden – wenngleich du natürlich insofern Recht hast, als die Aktion wenig zur Erreichung des eigentlichen Zieles beiträgt und somit per definitionem sinnlos ist. :-)

  2. Hallo Niels,
    immer wieder bin ich verwundert über Aussagen Deinerseits, die Du hier in so nonchalant wirkender Überheblichkeit von Deiner Plattform aus ins das www trötest:
    1) Der Mailomat ist keine Erfindung des AStA, aber das ist jetzt nicht wirklich wesentlich.
    http://www.asta-marburg.de/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=27&page_id=1008

    2) Bei Deiner Überschrift würde ich einfach mal so das ? weglassen. Dass die Universitäten Orte der Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse und Schichten sind wurde z.B. schon in den Sechzigern von Werner Hofmann festgehalten und dass sie dementsprechend tendenzielle Horte von Fachidiotie sind, ist wohl nur der nächste Schritt – ließe sich dann auch mit Dummheit ergänzen. Zumindest benötigt man für diese “scharfsinnige” Analyse keine neunmalkluge “Intelligenz”forscher. Hierfür genügt “schon” profanes kritisches Denken und die entsprechend reflektierte Beobachtung gesellschaftlicher Zustände. Und dass sich das mit der aktuellen Hochschul- und Bildungspolitik nicht verbessert sondern verschärft, dürfte ja auch klar sein.

    3) Dass in der Bewertung der Wahl der “Kampfmittel” aufgrund der Dimension des Politischen an und für sich nervende Sachen wie Spammails aufgewertet werden können, sollte man aber auch zumindest berücksichtigen – und dass Abgeordnete, die mit ihrer Politik weitaus mehr Menschen weitaus mehr nötigen, auch diese Form der Kritik aushalten müssen, sollte ebenso klar sein – oder sie sollen zurücktreten.

    4) Komme ich zum nächsten Punkt: Aus politischer Sicht, handelt es sich für mich hier nicht um Spam, sondern um das Äußern von Kritik in möglichst effizienter und breiter Art und Weise. Hier geht es schließlich nicht um die Anpreisung von Werbeartikeln, Diplomzeugnissen oder Erektionsfördernden Präparaten. Dass mit sowas, genauso wie mit dem Sammeln von Unterschriften nicht die Welt verändert wird, sollte klar sein. Aber es gibt Menschen, die das ja immer noch denken und für die diese Art und Weise der Äußerung von Kritik am liebsten ist.

    5) Zumindest gibt es auf der Front der “technischen” Opposition auch schon andere Blockadeaktionen, wie das Verhindern des Zugriffs von hmwk-Rechnern auf die hessischen ASten-Seiten, bzw. die Möglichkeit, dass lediglich eine Seite erscheint, die ein entsprechendes zynisches Pendant der CDU-Politik darstellt. D.h. es gibt auch noch andere Formen, wie die Technik als Möglichkeit des Protestes genutzt wird. Und wenn Du zumindest die Mailomat-Aktion als technischen Dilettantismus empfindest, aber durchaus berechtigten Protest erkennst, stelle doch Deine hard- und softskills zur Verfügung, anstatt in “kritischer” Weise hier rumzunörgeln, und zwar auf einer Weise, die einen nur den Kopf schütteln lassen kann.

    Ansonsten wünsche ich viel Spaß bei Deiner Volksfront der Vernunft sowie Kaffeetrinken und Austausch auf gehobenem Niveau u.a. mit CDU-Menschen, die jetzt pro Mail 5.100 Euro bezahlen dürfen.

    Oder vielleicht sieht man sich ja mal auf der nächsten Demo beim Brüllen von idiotischen Parolen wie “Broiler für alle und zwar umsonst.” Ich habe auch irgendwie den Eindruck, dass Differenziertheit und Parolen nicht wirklich so vereinbar sind. Hierfür bieten sich dann aber die entsprechenden Kundgebungen die Demos flankieren.

    Und ich kann mal wieder betonen: Mensch, komm’ mal runter!

  3. Was die vorgefertigten Protestmails angeht, ist das mit Sicherheit keine neue Erfindung der protestierenden Marburger. Sowas gibt’s schon seit Ewigkeiten und wird von den unterschiedlichsten Gruppierungen (z.B. Greenpeace fällt mir da spontan noch ein) genutzt, früher noch ganz altmodisch als vorgedruckte Postkarte und richtet(e) sich NATÜRLICH meistens an politische Machtträger. Diese Form des politischen Protests als Spam zu bezeichnen, halte ich persönlich für völlig falsch. Die Protestmails gingen ja (soweit ich das jetzt mitbekommen habe) ausschließlich an Abgeordnete, die selbstverständlich DIE Adressaten für politischen Protest sind. Wer denn auch sonst???
    Bei der technischen Umsetzung bei diesem Mailomaten bezüglich der falschen Absenderadressen muss ich dir allerdings zustimmen, finde ich auch hohl.
    Was die “blökenden Vollpfosten” und deinen Lieblingsspruch zur Denunziation der Linken angeht: ich habe den Spruch bei den diesjährigen Studidemos nur äußerst selten gehört. Du scheinst also an weitaus mehr Demos teilgenommen zu haben, als ich dieses Jahr, wenn du da weißt, wo von du sprichst.
    Allein vom Wortsinn würde die Bezeichnung “Vollpfosten” eigentlich viel besser zu den Leuten passen, die während einer Demo doof glotzend vorm Savigny-Haus stehen oder ganz daheim bleiben.

  4. da muss ich dem schröder mal recht geben ;) auf den demos auf denen ich war, habe ich den oben genannten spruch auch noch nicht gehört.

    niels, du kannst ja mal mit demonstrieren, dann weißt du, was wirklich gerufen wird und unterstützt die “absolut notwendigen” demos gegen studiengebühren auch noch persönlich ;)

  5. Schröder, wenn du mit meinen »blökenden Vollpfosten« eine »Denunziation der Linken« verbindest, dann widerlegst du dich selbst: Offenbar gibt es Linke (und Rechte), die gegen Studiengebühren protestieren und den von mir proklamierten Spruch nicht »blöken«. Wisch’ den Schaum vorm Mund ab, wenn ich auf einzelne und wohl kleine, aber hörbare Gruppen deiner Lieblingsprotestierer schimpfe.

    Herr Geis, es ist unerheblich, von wem dieses Script tatsächlich stammt, es ändert aber nichts am schlechten Benimm – das macht man einfach nicht. Wer glaubt, irgendwer läse sich über eintausend eMails innert vier Tagen durch, ist entweder blauäugig oder spekuliert darauf, um den Adressaten Unwilligkeit und Ignoranz vorzuwerfen. Insofern stimme ich mit der von dir erwähnten »möglichst effiziente[n] und breite[n] Art und Weise« der Kritikäußerung in keinster Weise überein, weil es den Kern der Sache nicht trifft. Dass Informationseinschränkung durch Filtern des Netzverkehres (Zensur) in meinen Augen ein ebenfalls nicht gangbarer Weg ist, sollte klar sein.

    Tatsächlich definiert Wikipedia Spam als »unverlangte[n], massenhafte[n], meist strafbare[n] Versand von Nachrichten.« Nach dieser Definition ist die Aktion als Spam einzuordnen, das ist schlechtes Benimm und bei Mails, bei denen es sich um Werbung handelt, wahrscheinlich sogar strafbar.

    Damit du mir schließlich ein weiteres Zitat in den Mund legen kannst, verbleibe ich – heute ebenfalls kopfschüttelnd – mit freundlichen Grüßen.

    Mein Herr, Ihre Meinung ist mir ein Greuel, aber ich werde dafür einstehen, daß sie gehört wird!

    (Voltaire)

  6. Bin ganz Niels Meinung. Wie auch immer geartete unverlangte Mails waren, sind und werden auch in Zukunft nie gut sein. Treffend bemerkt als “sowas macht man einfach nicht“. Vorgedruckten Postkarten stelle ich das gleiche Zeugnis aus.

    Und zu dem Spruch “Bildung für alle und zwar umsonst” war genau der Spruch den man auf der Gießener Demo mit abstand am häufigsten zu hören bekommt. Meine persönliche Bilanz ist also auf einer von einer Demo hab ich den Spruch nicht zu knapp gehört *hüstel*.

  7. 1) Die Unerheblichkeit des Ursprungs betonte ich schon im Nebensatz.

    2) Tja. Was mensch nicht so alles machen sollte, aufgrund irgendwelcher Knigges.
    Ich bleibe bei meiner Meinung; es gibt die Dimension des Politischen, die die von Dir erwähnte wiki-Def. nicht berücksichtigt. Und ab einem gewissen Grade von struktureller Gewalt sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, wann welche Knigges wie und wann überhaupt noch Sinn machen.
    “Alles muß im Ãœberfluß vorhanden sein!” – Und zwar umsonst.
    Nebenbei: Die notwendige Undifferenziertheit von Parolen liegt in der Herausforderung, sie gedanklich weiter zu entwickeln.
    Mensch kann natürlich auch stets an der Oberfläche bleiben.

  8. Jens, ich sehe allerdings einen gravierenden Unterschied zwischen der Forderung »Bildung für alle« (die ich durchaus gerechtfertigt finde) und »Alles für alle«.
    Aber nein, Herr Geis, das sehe ich anders.

  9. “…blökenden Vollpfosten” finde ich eine sehr schöne Beschreibung für die leider vielfach immer noch vorherrschende Unkultur im Umgang mit demokratischen Rechten. SPAM Mails zu versenden zählt nach meinem Verständnis nicht zur Gruppe der demokratischen Meinungsäußerungen.

  10. Ich sehe das genau wie Jens und Niels.
    So etwas ist Spam und gehört entweder direkt in den Mülleimer oder schön an die Verursacher zurückgeleitet.

    Wenn jeder der Protestierenden eine ordentliche Mail geschrieben hätte, mit einer eindeutig identifizierbaren Adresse, dann kann Herr Möller sich auch hinsetzen und die Mails beantworten. Aber stures “Draufklicken, weils so einfach ist”, ist meiner Einschätzung nach völlig falsch. Insofern kann ich die Reaktion des “CDU-Mann”s auch nachvollziehen. Warum er dem Asta nicht einen vor den Bug geschossen hat, kann ich nicht ganz verstehen, aber man muss ja auch nicht immer das “Fight fire with fire” anstellen.

    Niels, wir sollten eine Mailmaschine programmieren, die den Asta auffordert, solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen. Da wäre ich seeehr interessiert, zu sehen, ob deine “Vollpfosten” das immernoch als legitimen Protest ansehen…

    Besten Gruß, ich.

  11. ach junge, wie kann man sich über solche unerheblichkeiten nur so wahnsinnig echauffieren? die empfänger der mails werden sie einfach blocken und haben dann ihre ruhe.

    und warum scheint das schlimmste im leben für Dich das mangelnde benehmen anderer zu sein (ich erinnere an mensa-essgewohnheiten)? “mangelnder anstand” scheint ja das einzige thema zu sein, bei dem Du in Deinem block so richtig emotionalisiert wirkst. das ist irgendwie sehr traurig.

  12. Timboy, mach dir mal um meine Aufregung keine Sorgen. Da gibts durchaus mehr, dass ich den Eintrag verfasst habe, lag daran, dass ich beim Lesen des Artikels bei Heise.de gerade in der richtigen Stimmung war.
    Dass ich mich verhältnismäßig oft über (fehlenden) Anstand aufzuregen scheine, zeigt die Häufigkeit, wir oft mir der begegnet.

    Richtig ist, dass ich hier selten »emotionalisiert« wirke. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich es auch bin.

    Und Florian, nein, sowas programmieren wir nicht. :)

  13. Gute Frage, muss ich zu gegebener Zeit lange drüber nachdenken…
    Die Frage ist halt, ob man ein marodes, kapitalistisches System nur mit Argumenten ändern kann… Ich bin mir da nicht so sicher.

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