Unflätige Kinder

Dass ich Nachbarn habe, die anderswo verachtet würden (indes verachtet man sie auch hier), ist meinen Nachbarn und mir bekannt. Dass sie gottgläubig sind, war mir neu. Jedenfalls scheinen sie Johannes Pauls II. Ausspruch zu kennen und wörtlich zu nehmen:

Die Mitte der Nacht
ist auch schon der Anfang eines neuen Tages.

Ich bin jemand, der an das Gute im Menschen glaubt (manche sagen wahrscheinlich »leichtgläubig«, doch das will ich nicht sein) und drehe mich nachts, wird’s draußen laut, auf die andere Seite und schlafe weiter.

Illuminierter Schreibtisch

Ich glaube auch nach fünf Minuten Getöse im Treppenhaus, zu dem hin meine Wohnung doch hellhörig ist, an ein baldiges Ende und erwarte die bevorstehende Ruhe. Nach einer halben Stunde Umzugslärm (!) nachts um eins (!!) bin sogar ich es leid und stopfe mir wattige Dinge in die Ohren, während ich einen Fluch gen Himmel stoße: »Unflätige Kinder!«

Nun sitze ich noch immer am Schreibtisch, wollte längst fertig sein, habe wegen einer morgigen Deadline den Abend abgesagt und erwarte eine dauernde Nacht, die Koffeintabletten – lange vergessen – liegen bereit, meine To-Do-Liste wird länger statt kürzer.
Ich strecke den Arm in den Himmel und rufe…

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