Tourisme

Musikalische Untermalung öffnet sich in einem neuen Fenster.
Ogg. 6:12 Min. 972 KB.

Die Lutherische Pfarrkirche in Marburg erhebt sich unterhalb des Schlosses und wird durch ihren schiefen Kirchturm (genaugenommen ist nur das Dach nicht recht im Lot) charakterisiert.
Wie jeden Sonntag erklärt eine Fremdenführerin einer Seniorengruppe vor der Kirche die Hintergründe des Marburger Religionsgesprächs, während wir durch die gläserne Innentür in das leere Gotteshaus treten. Ein paar Tafeln zeichnen das Leben Philipps des Großmüten nach und laden zum Schmökern ein, tatsächlich steht die einzige Besucherin außer uns gerade vor dem Testament des Kurfürsten.
Wir sind in der Nähe des Taufbeckens, als ein alter Herr im Mantel durch die Glastür gestürmt kommt, Kurs nehmend auf den Flügel neben uns. Das Ausweichen fällt schwer, routiniert sucht er Sitzkissen und Stuhl zusammen, schlägt gekonnt die Schutzhülle des Flügels zurück und beginnt zu spielen. Wir schlendern leise weiter, als plötzlich eine Trompete einsetzt. Vereinzelt treten Passanten ein, verwundert von den irgendwie sakral angehauchten Tönen aus dem Inneren der Kirche. Mit den letzten Tönen des zweiten Stückes verlassen wir die Bühne, draußen kündigt sich Regen an.

Wer die über sechs Minuten lange Tonaufnahme in grauenhafter Qualität durchsteht, wird mit einigen interessanten Motiven belohnt. Die anderen Bilder aus der Kirche sind zu schlecht, man sollte die Augen schließen und sich den Alten beim Spielen vorstellen. Bitte, ich hatte nur ein Handy und die alte Digitalkamera zur Hand. Die Vorstellung eines Grammophons mag ein wenig helfen.

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