The Funerals

Heute vor einer Woche saß ich in einem Bus, der mit uns über die Passstraßen flog, die ich wenige Tage zuvor mit dem Rad in entgegengesetzter Richtung überquerte. Hinter mir auf der Bank saß ein Mädchen, das ihren neuen Freund in einem kleinen italienischen Dorf besuchte und nun zurück nach München fuhr, und hinter ihr standen vier Fahrräder. Man sucht sich seine Beschäftigung für die dunklen Tage, die vielleicht bereits angebrochen sind. 

Briefumschlag

Hier kommen Pakete an, die auf den Winter einstimmen: Die CD aus Italien mit den venezianischen Liedern, die natürlich ebenso gut in den Sommer passt, verstreut ihre angenehme Atmosphäre an Regentagen wie diesen. Neben mir knackt der Tee auf dem Stövchen, während von der anderen Raumseite ein Horn herüberweht. So kann ich stundenlang sitzen und schreiben, eine bleierne Müdigkeit legt sich langsam über mich, zwei Räume weiter wartet das dicke gebundene Buch, mich mitzunehmen an die Elbmündung in vergangene Zeiten: Siegfried Lenz’ Deutschstunde.

Venezianische CD

So sitze ich dem leeren Ohrensessel vis-à-vis gegenüber auf den alten Cocktailstühlen und warte, bis sich der vertraute Schlüssel im Zylinder dreht. Denn an Regentagen wie diesen ist man nicht gerne allein, an Regentagen wie diesen tut der Atem eines anderen gut. Man könnte meinen, der Herbst kommt und mit ihm der Winter.

Und plötzlich, schlagartig, seufzt der italienische Rahmen laut auf, weil der Schlauch im Hinterrad birst. So bleibt man wach dieser Tage.

Hinter all diesen Fenstern …

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