Siberia II

Vor mir stehend brüllt der alte Laptop in den Abend, die Tasten klappern im Takt meiner Worte ein hingehauchtes Schön, dass Du wieder da bist. Zwei Wochen waren wir unterwegs, haben es unterwegs zweimal geschafft, unsere eMails zu lesen, auf einer Insel, auf der es kein fließendes Wasser gibt, hatten sie immerhin Internet.

Ich vertröste die Freunde auf unbestimmte Zeit die Fotos zu zeigen, mein Computer ging über Nacht kaputt als wir dem Jetlag erlagen. Es war Solidarität oder Sehnsucht; ich wüsste gern, was sie ihm erzählen, wo er gerade zum wiederholten Mal ist.
Die Schreibblockade kam mit in den Zug, wir teilten uns ein Bett. Zwei Seiten schaffte ich, bevor der Stift auslief und ich das Buch zur Seite legte, um nächtliche Bahnhöfe im Vorbeifahren zu betrachten, die anachronistische Athmosphäre der Sovietunion. Blechernde Lautsprecherstimmen in mir unbekannten Sprachen, eine Welt in 1984 atmend.

Ich konnte mir die Decke nicht über den Kopf ziehen,
ich kann nicht ertragen, wenn die Füße herausschauen.

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