Security vorm Supermarkt

»Es sieht aus wie im Krieg« denkst du, wissend, dass dieser Vergleich ganz und gar ungültig ist, denn erstens warst du – Gott sei Dank – nie im Krieg und zweitens kann man das sicher nicht vergleichen, den Wahnsinn dort mit jenem des Rosenmontag. Abgesehen von den Häusern, die es unbeschadet überstanden und dem nicht zerbrochenen Glas der Scheiben aber: Es liegen Menschen auf den Straßen.

Während du vom einen Epizentrum ins nächste läufst, in dem du schließlich wohnst – vielmehr: in der zur Latrine umfunktionierten Gasse; daran hast du dich mittlerweile gewöhnt – in welchem betrunkene Punks am Brunnen sitzen der Staatsmacht gegenüber, die den Rest des Rathausplatzes in Beschlag genommen hat, in diesem Bierdunst, der den gesamten Weg über der Stadt lag, in den Zeiten, in denen du Wikinger oder schwankende Lolitas an den Pranken Betrunkener siehst, die sich heute mit Jogginghosen in die Stadt und also ins öffentliche Bewusstsein trauen, welches nicht mehr vorhanden zu sein scheint, sogar nicht mehr vorhanden ist, sind die Kopfhörer deines MP3-Players kaputt. Die neuen warten zu Hause. Doch dort brauchst du sie nicht.
Und heute abend werden die Mülltonnen rausgestellt.

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