Plateau au Chocolat

Gestern bin ich im Stadtcafé gewesen. Während sich draußen der Himmel über der sich zu Ende neigenden Sicherheitskonferenz zusammenzog, die Polizeibrigaden langsam Richtung Heimat aufbrachen und sich die wenigen Touristen, die in das Stadtmuseum fanden, die Kapuzen über den Kopf und in Richtung Marienplatz zogen, saß ich innen an einem furchtbar kleinen Tisch und habe einen Plateau au Chocolat gegessen. Das war die Wiederversöhnung mit Frankreich, die eine unvorbereitete Konfrontation mit einer einen neonfarbenen Bügelkopfhörer tragenden französischen Dame nötig machte. »Machen Sie was sie wollen, das hier ist nicht mein Kulturkreis« fauchte sie, als ich fragte, ob sie etwas dagegen habe, wenn ich mich setze. Sie fügte hinzu, dass sie auf jemanden warte und verließ das Café zwanzig Minuten später allein.

Kuchen

Vorgestern in einem anderen Café hielten die Rentner respektvollen Abstand. Vielleicht, weil wir drei oder vier Stunden gewandert waren und tatsächlich so aussahen. Vielleicht auch, weil man dort vornehm-höflich ist und nicht rabiat-direkt. Vorgestern nämlich war ich unten am See. Nicht mit dem Rennrad, dafür war es in München zu kalt. Eine Stunde weiter südlich hatte die Sonne jedoch die Wolken verdrängt und je höher wir stiegen, desto wärmer wurde uns.

Neureuth

Auch weil ich nicht die Zeit hatte, hat sich die Anreise mit dem Fahrrad zerschlagen. Die einfache Strecke beträgt etwas mehr als siebzig Kilometer, wofür man vielleicht drei Stunden benötigt, weil man dabei halb München durchqueren muss. Hätte ich das Rad genommen, wäre keine Zeit geblieben für die Spinatknödel auf der Hütte, die schon so oft das Ziel waren und wir immer eine halbe Stunde zu spät. Es wäre erst reicht keine Zeit geblieben für den Baumkuchen in der Konditorei, der hier eine Marzipanrinde trägt. Für diesen Kuchen macht man keinen Gefangenen, steht man vor der Wahl.

Kino

Natürlich gibt es auch in München nette Versuche mit dem Baumkuchen vom See zu konkurrieren, das Plateau au Chocolat ist davon nur einer. Dennoch haben das wunderschöne Mädchen und ich lose verabredet – noch während des Aufstiegs, die Knödel vor Augen – dass wir in einigen Jahren umziehen werden in eine dieser Regionen fernab der Stadt.

In eine dieser Regionen mit einer Konditorei am Ufer des Sees.

Seeufer

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