Noch immer liegt die Glut unter der Asche

Ich erinnere einige Sommer in einer Zeit, in der ich noch wuchs. Das ist weniger lange vorbei als es klingt. Wir diskutierten – ohne zu wissen, dass das einige Zeit später relevant werden würde – wie man sich sieht und findet von den unterschiedlichen Enden der Welt. Wir verteilten uns; jedenfalls war das der Plan. Wir waren der Meinung, man trägt die anderen stets bei sich, egal wie oft wir uns sehen und egal, wo einer ist. Mir schien diese Erkenntnis beruhigend und schmerzhaft zugleich, weil wir keinen Grund hatten, gemeinsam zu bleiben. 

Gehe nicht auf alten Spuren, beweinte nicht, was längst beweint
Lecke nicht die alten Wunden, vielleicht warst du niemals gemeint
Zähle nicht die toten Stunden, es zählt nicht, was du nicht geliebt
ersehne dir nicht alte Lieben, vielleicht wart ihr niemals vereint

Da ist G., mit dem ich alle sechs Monate telefoniere, und T., die ich ebenso selten höre. Sogar vom wunderschönen Mädchen weiß ich gerade nicht, wo sie ist, nur was sie plant und wo wir uns treffen, am Dienstag vielleicht, zweihundert Kilometer von hier.

schatten

Da ist G., den häufiger anzurufen ich mir doch täglich vornehme. Ich muss auf mich aufpassen, die Kurve zu kriegen. Es passiert etwas, das mir nicht gefällt, es findet eine Veränderung statt, eine Entwicklung, die ich erkenne an mir. Ich verstehe schließlich seine Chansons.

Wenn der Mond sich füllt, bin ich wieder fort
Wenn der Mond sich füllt, bin ich auf dem Weg
Wenn der Mond sich rundet, bin ich abgehauen
So ist es immer

Als ich gestern Nacht nach Hause kam, fand ich auf dem Küchentisch einen Kompass. Du hättest etwas anderes zurücklassen können auf Deinem Weg durch die Alpen.
Das zeigt, dass wir uns verstehen.

– Peryton

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