Moi non plus

Der Kaffee schmeckt dort besser als zu Haus.
Nicht nur deswegen zieht es mich regelmäßig nach Süden. Denn diese kleine Stadt ist voll von komischen Leuten. Wenn diese Wohnung nicht wäre und die Menschen, mit denen ich diese teile (und ein paar andere Freunde), ich nähme das Pendeln jederzeit gerne in Kauf und bemühte mich vielleicht, diese Zeit schneller zu Ende zu bringen als jetzt.

Aus Gründen, die ich sehr wohl kenne

Nach dem Veranstalten unserer Party ist nicht nur der vergammelte Alkohol (von uns hat sich seit vielen Monaten jeder vor dem Trinken dieser Flasche gescheut) und der Kaffee geplündert, auch fehlen ein Korkenzieher der Hochpreiskategorie und eine alte Pinzette, die in einer Badschublade versteckt lag. Ich bügle noch immer Wachsflecken aus meinem Teppich, Julia trauert einer Lampe nach und beinahe noch jeden Tag fingern wir Kronkorken aus den Ecken der Räume. Ich würde Leute gerne verstehen, aber ich schaffe das einfach nicht. Und erinnere eine Feier, nach der ein Telefon fehlte, und eine zweite, auf der ein Fahrrad verschwand. Ein Fahrrad!

Als wir das Haus in die Rüstung zur Party verpackten (vor nunmehr drei Wochen), schoben wir die Fahrräder ins Foyer des Nachbarhauses. Bis auf eines: Das alte Rad meiner Oma lehnten wir hoch der Gasse an eine Hauswand und vermerkten im Geiste, dass wir es abschließen müssten. Eben schob ich das Rad zurück in den Flur, versah die Notiz im Geiste mir der Bemerkung Nun nicht mehr nötig! Und erinnere eine Feier, auf der ein Fahrrad verschwand. Ein Fahrrad!

Es sind diese Momente und Momente an Kassen, Momente in den Oberstadtgassen und Gespräche in der Umkleidekabine des Sportstudios (die ich hier nicht wiedergeben möchte, mir aber die Herkunft zahlreicher Vorurteile offenbaren), es sind solche Momente, die mich verzweifeln lassen. Es gibt hier Menschen, die reagieren mit bewundernswerter Toleranz, ich schaffe nur stilles Verzweifeln und den Wunsch nach Garaus.
Dass Leute doof sind setze ich als bekannt voraus.

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