Middleware verbindet alles

Es ist frustrierend, den gesamten Nachmittag mit einem störrischen Stripe-Set zu verbringen und für jede (Nicht-)Bestätigung einer Vermutung zwei Stunden auf die langsame Formatierung des Datenträgers warten zu müssen. Wenn ich daran denke, dass die gestrige Formatierung einer 200-GByte-Platte in meinem Linux-Heimserver drei Sekunden benötigt hat, frage ich mich ernsthaft, ob bei heutigen Festplattenkapazitäten das Windows-Dateisystem bzw. dessen Aufbau einer Überarbeitung bedarf.
Hoffen wir, dass die Formatierzeit mit dem kommenden Dateisystem, das ursprünglich mit Longhorn 2006 veröffentlicht werden sollte und bereits verschoben wurde, auf ein erträgliches Maß reduziert wird. Warum WinFS, also das verschobene Dateisystem, im kommenden Jahr nicht fertig ist, wird spätestens beim Blick in die Papers aus dem Hause Microsoft klar, die Fähigkeiten der datenbankähnlichen Dateiverwaltung beschreiben:
Mit Hilfe einer semantischen Analyse der Dateien wird eine eMail nicht als bloßes Objekt auf der Festplatte betrachtet, sondern eben als eMail. Folgendes Beispiel soll die Leistungsfähigkeit verdeutlichen:

  • Es kommt eine eMail an und wird auf der Festplatte gespeichert
  • WinFS untersucht den Inhalt der eMail nach bekannten Mustern, zum Beispiel nach einem Termin
  • Wird ein Termin erkannt, schaut WinFS im Adressbuch des Empfängers, ob dieser bereits einen Termin hat
  • Gegebenenfalls wird der Termin in das Adressbuch eingetragen und dem Absender der eMail geantwortet
  • Der Empfänger wird beispielsweise über sein Mobiltelefon benachrichtigt

Vielleicht hätte eine eMail des Dateisystems meine Autowerkstatt dazu bringen können, den Spiegel vor meinem heutigen Werkstatttermin zu bestellen. Ich rief letzte Woche an, ließ mir die Notwendigkeit erklären, den gesamten Spiegel ersetzen zu müssen und kündigte mich für Anfang der Woche an. Heute stellte sich heraus, dass tatsächlich kein Außenspiegel im Lager vorhanden sei und ich nächsten Dienstag noch einmal kommen solle. Dann wäre der (heute) bestellte Spiegel auf jeden Fall da und lackiert, der Einbau an sich dauere dann nur etwa zwanzig Minuten.
Der Tag war – so gesehen – für die Füße.

7 Gedanken zu „Middleware verbindet alles

  1. Vielleicht bin ich altmodisch – aber braucht die Welt tatsächlich Onlinespiele, die Pizza bestellen, Dateisysteme, die Anwendungen steuern, Kühlschränke, die Essen nachbestellen und Computer, die lernen, bewusstsein entwickeln und die Weltherrschaft übernehmen wollen?

    Heute wieder neophob:
    Dennis

  2. Du bist wirklich neophob. Dieses Beispiel ist mir allerdings auch nicht geheuer, weil das ein Schritt in Richtung Rollenverteilung ist. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Computer uns bedienen und nicht umgekehrt. Allerdings ist die semantische Erfassung von Daten sehr angenehm und biete gerade auch bei der Suche riesige Vorteile.
    Ich gehe also ein wenig mit die konform. ;)

  3. Also dass es die email durchsucht kann ich noch verstehen, auch dass es den Termin abgleicht – aber! es soll doch bitte nicht selbstständig kommunizieren. Meines erachtens ist das auch kein FS mehr, ein FS hat Dateien möglichst intelligent und effizient auf der Festplatte zu speichern und sonst nix. Alles andere… ich weiß nicht so genau…

  4. Ja, das ist der Punkt. Im Wesentlichen steckt da schon eine ganze Programmlogik hinter, die mit Dateiverwaltung nicht mehr so viel zu tun hat. Wobei aus den Microsoft-Unterlagen nicht eindeutig hervorgeht, ob diese Logik in einem Aufsatz in Form eines Programmes im Userspace realisiert wird oder gar nativ ins Dateisystem integriert ist.
    Mir ist auch dabei alles andere als wohl.

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