Mein Heldenzeitalter

Meine Hände riechen nach Parfüm und Mottenpulver, nebenan hält sich ein Edelbitter-Weihnachtsmann seinen zerbrochenen Kopf. Erst lesen, dann essen.

Ich kann mich nicht von alter Kleidung trennen. Schon als Kind dachte ich, dass jedes meiner Kuscheltiere eine Seele hätte und bestimmt traurig wäre, verbrächte es die Nacht nicht im Bett. Über die Jahre entwuchs dieser Einstellung ein anschaulicher Streicheltierzoo und als ich endlich eine Freundin hatte, ergaben sich ernsthafte Platzprobleme. Nach zwei Jahren Beziehung steckte ich in einem Anflug emotionaler Kälte alles in einen gelben Sack, der noch heute auf dem Dachboden unseres alten Hauses steht.
Kaum war das Trauma mit den Tieren überwunden, quollen die Band-T-Shirts aus meinem Kleiderschrank. Und wenn heute neue Kleidung Einzug hält, sortiere ich die alte aus. Andere würden meinen Versuch, Platz zu schaffen, eher als ein Umstapeln bezeichnen, was mir schwer genug fällt. Es gelingt mir selten oder nie, mich von (überflüssiger) Kleidung zu trennen, die anderswo dringend gebraucht wird. Und so schichte ich um, vor allem den Stapel der heiligen T-Shirts mit Aufdrucken von Tocotronic, Fink und anderen Bands, obwohl ich sie nie wieder draußen anziehen werde. Natürlich werde ich ebenfalls nie eine Wohnung in einem dieser Stücke streichen, ich werde niemals Reifen wechseln mit solchen T-Shirts. Und ich werde sie noch oft in die Hand nehmen, auseinander falten, den Kopf schütteln und zärtlich zurück legen auf ihren Stapel im Schrank.

Ich frage mich, was in zehn Jahren diese Rolle eingenommen haben wird. Wahrscheinlich die Platten, die ich – wie meine Bücher – niemals verkaufen werde.
Und diesmal hat das nichts mit der Seele zu tun. Wir werden erwachsen.

Ein Gedanke zu „Mein Heldenzeitalter

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