Let’s push things forward

Doreen überlegte zur Zeit meines Einzuges, das Hauptproblem dieser Wohnung sei die unmittelbare Lage am Weihnachtsmarkt. Tatsächlich verdoppelt sich an den Samstagen die Dauer von Besorgungen, was mich bisher allerdings nicht stört. Ein Schlecker, der das Nötigste hat, ist 50 Meter entfernt, selbst zum Plattenladen des Vertrauens brauche ich an solchen Tagen keine 10 Minuten.

Während ich mich durch “Alternative – Neuheiten” wühle, gluckst ein etwa 17jähriger neben mir bei jeder Platte, die er aus einer der Kisten “R&B”, “Soul” oder “Rap” zieht: “Ohaha, cool, die gibts ja auf Vinyl” und hält seiner Freundin eine Jay-Z-Platte vors Gesicht. Sie drängelt unentwegt, weil man noch dort und dahin wolle.
Ich ziehe zufrieden alle Platten aus dem “Ärzte, Die”-Fach und gehe Richtung Kasse, werde sofort erkannt, obwohl ich schon längere Zeit nicht mehr im Laden gewesen bin: “Ah, ich verkauf dir in Zukunft nur noch eine! Mal im Ernst: Die Platten laufen bei ebay gut, oder?” Wir kommen ins Gespräch, ich erwähne, wie gut alter Punk wirklich läuft und auch jene Ärzte-Platten, die ich nicht zum ersten Mal stapelweise kaufe. Vorsichtig frage ich noch einmal nach einem Arbeitsplatz. Im Hinterkopf noch das entschiedene “Nein” vom letzten Mal, jetzt zuversichtlicher: Ich solle meine Telefonnummer dort lassen, man melde sich bei Bedarf.
Neben mir die beiden von eben, verstohlen legt der Junge eine Catherine Deneuve-Platte auf den Tresen. Zufrieden bestelle ich das aktuelle “The Streets”-Album und nehme Kurs auf den Aldi, der sich fatalerweise mit den Öffnungszeiten des Plattenladens solidarisiert.

Bleibt nur der Tegut, in dem ich es aufgrund konsequenter Kaufverweigerung schon kompletter Speisen schaffe, unter 20 Euro zu bleiben. Zu Hause wartet die kaputte Heizung auf mich, dennoch ist es erstaunlich warm. Jetzt lege ich mich mit einer Wärmflasche ins Bett, glücklich, denn eines habe ich heute gelernt:
Marburg ist keine Intro-lose Stadt. Auf Seite 17 wartet Tom Liwa, der gestern hier im Trauma ein wundervolles Konzert gespielt hat. Und vom Cover lächelt Conor Oberst. Mädchen, im Ernst, warum fahrt ihr auf diesen Mann ab?

3 Gedanken zu „Let’s push things forward

  1. “Mädchen, im Ernst, warum fahrt ihr auf diesen Mann ab?”

    Weil er genauso aussieht wie die anderen genormten Clearasil-Gesichter, die seelenlose Popmusik mit Texten klampfen, die sie nicht mal selbst verstehen? :p

    Ach sorry, lass mich ein bisschen schießen, ich habe eine harte Hinkelstein-Schicht hinter mir. :)

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