L’Enfer du Nord

Paris-Robaix. L’Enfer du Nord oder auch La Reine des Classiques, je nachdem. Man muss sein Fahrrad ganz schön hassen, es über diese mehr als 250 Kilometer zu jagen, 50 Kilometer davon grob gepflastert. Oder die L’Eroica: Das Herz blutet, wenn sich die Wahnsinnigen auf alten Colnago- oder Gios-Rahmen die Schotterpisten hinabstürzen – nicht nur wenn man weiß, was sie kosten. 

Lenker

Wir hatten einen Abend lang eine Diskussion über Erwartung und Enttäuschung. Irgendwann vor etlichen Jahren sagte T. zu mir, ich müsse lernen, nichts zu erwarten und P. fragte mich letztens, wie das funktioniert. Ich weiß die Antwort bis heute nicht auf diese Frage, ich weiß nur, dass es sich lohnt.

Vielleicht trage ich sogar das maillot blanc in dieser Disziplin: Ich gebe auf, meine Radtouren zu planen und beschränke mich auf die Entscheidung Nord oder Süd, vielleicht hin und wieder den Ort. Den Rest überlasse ich dem Fahrradcomputer, den ich nicht verstehe, der mich über wilde Schotterpisten treibt oder auf Pfaden durch den Wald. Seit mein Radhändler, dessen bester Kunde ich bin, mir die Hand auf die Schulter legte und sagte, man können diesem Rahmen vertrauen, folge ich der Entscheidung dieses Gerätes in den meisten Fällen entspannt.

Heute stand ich dann irgendwann vor einem Schloss, irgendwo im Norden von München, in einem menschenleeren Park. Auch wenn ich nicht dort war, wohin ich eigentlich wollte, war das ein schöner Moment.

Schloss

Manchmal nach solchen Passagen lege ich meinem Rad die Hand auf den Rahmen und versichere ihm, es könne mir vertrauen. Uneingeschränkt.

2 Gedanken zu „L’Enfer du Nord

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