Last in, first out

Heute beginnen die Einführungsveranstaltungen für alle neuen Erstsemester-Studenten, die sogenannten Orientierungs-Einheiten. Traditionell werden die “Neuen” mit den elementarsten Dingen zuerst vertraut gemacht: morgens dem Stundenplan, abends der Kneipenkultur und Mittags eben der Mensa. Diese platzt während der gesamten Öffnungszeit der Essensausgabe aus allen Nähten, glücklicherweise werden die Treppen abseits des Haupteingangs erst während des Semesters bekannt und bieten so zumindest in den ersten Wochen eine noch angenehme Alternative, in den Speisesaal zu gelangen.

Am Nebentisch sitzen Philipp, Agathe und ihre neuen Freunde. Der Redner macht sich bereits mit seinen Zuhörern bekannt, die ihn teilweise durch das komplette Studium begleiten werden. Sind Personen in der zugelosten Gruppe noch so unsympathisch, kommen sie einem im Laufe der Zeit leider niemals völlig abhanden. Spätestens beim Einkaufen im Hauptstudium wird man feststellen, dass der größte Idiot nur um die Ecke wohnt, im Seminar in einer Bank mit ihm zu sitzen ist dagegen noch angenehm.
Beim ersten gemeinsamen Mensabesuch hat man ihm noch zugehört, fasziniert gelauscht sogar, seine Geschichen waren ja noch neu. Auch das Mädchen, neben dem man damals gesessen hat, deren Jungs-Frisur einem in Erinnerung blieb und von der man nichts als den Namen wusste, weil dieser mit Faserstift auf einem am Pullover befestigten Faserklebestreifen gemalt war, hat sich über die Jahre nicht verändert.
Wie ich mich so in Gedanken verloren fortträume, vergesse ich darüber beinahe das Essen. In die Realität bringen mich die fünf Mediziner, die sich an meinen Tisch gesetzt haben.

“Und wo schläfst du?”
“Bei Mareike oder Steffi, ich habe ja noch keine Wohnung.”
“Ich auch nicht.”

2 Gedanken zu „Last in, first out

  1. ja das programm ist immer gut. morgens informationen, mittags brechreiz und magenkrankheiten und abends einfach alles wieder ins reich des vergessenen saufen :D

    welcome back niels.

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