Kennst Du den Lock-In-Effekt?

Sitzt man tagsüber zu Hause, merkt man, es klopfen mitunter Seltsame an. Heute zum Beispiel bat ein Malermeister um Zutritt zum Balkon, der mich fragte, ob ich Musiklehrer sei und beim Abschied den Blicken auswich und wortlos die Treppe hinunter verschwand. Wenig später ein älterer Herr, mich zu Fernsehgewohnheiten fragend, nicht ohne noch vor einem »Hallo« zu versprechen, die Wohnung nicht zu betreten und das bitte hier in der Tür machen zu wollen. Wir waren sehr schnell aus nahe liegenden Gründen, auch weil er die Antworten selbst gab und diese eifrig in seiner Kladde vermerkte. Ich habe wenig mehr als zehn Worte gesprochen.

Cy Twombly

Was ich an diesem Balkon sehr schätze ist die Oberfläche und die mediterrane Wärme seines Bodens am Abend, wenn sich unten dreißig Menschenmeter die Beine in den Bauch stehen vor der angeblich besten Eisdiele der Stadt. Ich trinke eiskalte Limonade, die Beine auf dem Klavierhocker ruhend, und schaue auf den Namen hinüber, von dem wir gestern noch aus traurigem Anlass über Brot und Salat hinweg sprachen.

Und doch: Ich habe eben den Schreibtisch in den Keller getragen. Ein Sitzplatz auf dem Balkon (oder in dem Sessel am Fenster) ist nicht, was ich mir als Arbeitsplatz vorstellen kann. Ich habe die Insignien des festen Büros in Kisten verpackt, nicht weil sie keine Vorteile hätten, einfach weil sie Platz in Anspruch nehmen – den ich nicht bereit bin ihnen zuzugestehen – und weil sie mich an den Tisch binden, auf dem sie stehen, wenn ich arbeiten will. Ich bin (zum wiederholten Male!) verwöhnt und freue mich mehr über einen Zuschuss zum Rennrad oder eine BahnCard 100 als über ein Lease-Car-Programm.

Es ist nichts persönlich, fürwahr. Nur weil wir uns nicht verstehen. Du redest die Sprache der Großväter, ich rede die Sprache der Jugend. LOL.

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