“Jetzt musst du springen”

Letzten Dienstag:
Nachdem ich eine Stunde recht ziellos und doch einer Richtung folgend durch die Stadt laufe, komme ich an unserer alten Wohnung vorbei, die mir trostlos entgegenblickt. Der Hof steht leer, also hat es wohl auch der ältere Herr geschafft, der lange Zeit unter uns wohnte und schon im Frühjahr 2003 erzählte, er wolle fort von hier – seine Möbel sogar verschenkt und versucht hat, mir eine Schrankwand anzudrehen – er ist nun also tatsächlich ausgezogen.
Gegenüber zeichnet sich der “Affenfelsen”, ein hässliches und für Selbstmorde bekanntes Hochhaus am Rande des Südviertels, gewohnt vom tiefhängenden Himmel ab, ein Bild, dass mich jahrelang beim Hausverlassen begrüßt hat. Vertraut trostlos. Etwas weiter die Adenauer-Brücke, auf der ich kurz überlege, ob ich die gefalteten Blätter in der Gesäßtasche lesen soll, mich dann dagegen entscheide, um nicht den Eindruck eines Springwilligen zu machen. Ãœberhaupt haben wir damals in der Selbstmordecke Marburgs gewohnt, wie es scheint.
Ich schaffe es bis zu Christians Haustür, die mir verschlossen bleibt. Im Bus auf die Lahnberge treffe ich Nick, später im Bus nach Hause viele Menschen, die ich einfach nur umarmen mag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.