Januar 1972

Mit dem Rennrad?
Sind Sie sich sicher?

Worte eines vorbeikommenden Wanderers im Wald

Google kann ja jetzt Wettervorhersagen und wenn man »Wettervorhersage München« eingab in den vergangenen Tagen, erschien für Sonntag zumindest kein Regensymbol. Da mein Winterprojekt in den letzten Zügen liegt, das nach der Transalp in Italien gekaufte Rennrad (Belohnungsprinzip!) nun fahrbereit ist und wegen der beinahe frühlingshaften Verhältnisse denke ich seit Tagen an den vergangenen Sommer, das Alpenpanorama und die Fahrten hinunter zum See. Die lose Radverabredung in diese Richtung ist geplatzt, also habe ich mir eine Strecke herausgesucht in den Münchner Norden, mit vierzig Kilometern die richtige Länge, um das Fahrrad, die Laufräder und die komplett ausgetauschten Komponenten auszuprobieren.

Pannenbank

Irgendwann am Anfang des Waldes denke ich noch, dass dies für eine Rennradstrecke gewagtes Terrain ist, wende noch kurz, um ein Foto mit der alten nassen Holzbank zu machen und finde mich wenige Minuten später inmitten des menschenverlassenen Walds wieder auf dieser Bank, das Hinterrad auf den Beinen, einen neuen Schlauch in der Hand. Ein Wanderer passiert, wir kommen kurz ins Gespräch und ich sage noch, dass ich mit demjenigen Freund, der mit diese Strecke empfahl, ein ernstes Wörtchen zu reden habe. Ungläubig schüttelt er seinen Kopf, ob ich sicher sei? und lässt mich allein.

Zielbereich der Regattaanlage

Der künstliche See tut sich auf, sechs Holzzungen ragen in den Nebel hinein und wieder bin ich beinahe allein. Die Kälte zieht an den Beinen hinauf, während ich immer wieder nachpumpe, weil ich ein Vertrauensproblem habe, was neue Schläuche, vielmehr: was meine Handpumpe betrifft, auf die ich angewiesen bin bei einer Panne.

Regattaanlage

Der Norden zeigt sich von seiner unschönen Seite. Als Katastrophentourist halte ich oft und fotografiere noch öfter. Die Immobilienpreise sind wahrscheinlich trotzdem irrwitzig hoch und wer in der Stadt den Makler nicht bezahlen kann oder keinen astreinen Lebenslauf der Wohnungsbewerbung beifügt, landet wohl hier. Letzter Ausweg Hasenbergl. Der Nebel kriecht durch die Alleen und lichtet sich kaum, im Gegensatz zu den Straßen stadtauswärts sind jene im Norden nass als hätte es Minuten zuvor noch geregnet. Zwischen den Hochhäusern mit dem Charme einer nordkoreanischen Stadt führt eine alte Trasse die toten Gleise einer S-Bahn ins Nichts. Von hier aus sind es keine zehn Kilometer nach Haus.

Wohnturm

Tote Bahngleise

Was das Fahrrad angeht: ich verkaufe einen Satz Laufräder, renovierungsbedürftig. Falls jemand Jemanden kennt, falls jemand selbst Lust hat auf Basteln. Diese Laufräder finden sich – aus Gründen – nicht auf den Fotos. Und ich suche noch wen, der mir auf einer schöneren Tour noch Schlimmeres zeigt.

8 Gedanken zu „Januar 1972

  1. Ach, das sind Fulcrum Racing 1.
    Gar nicht so übel, möchte man meinen, aber sie erfordern offenbar ein wenig Aufmerksamkeit, auf die ich gerade keine Lust habe. :-)

    Ich zeig sie dir gern, wenn es dich wieder in die Gegend verschlägt und ich sie dann noch habe.

    1. Ich habe hier einen uralten Laufradsatz (Marke unbekannt) mit einem exotischen Helicomatic-Zahnkranz (leider ohne den Verschlussring), aber da ich das System nicht kannte, ist mir das auch nicht aufgefallen, als ich das Mercier-Rad kaufte. Damit kann man wirklich nichts anfangen außer vielleicht auseinandernehmen und mit einer anderen Nabe neu einspeichen. Aber die langen Winterabende, für die so eine Arbeit genau das richtige wäre, lassen auf sich warten…

      Zumal ich auch noch dieses Bastelprojekt habe. Der frischgesägte Lenker passt, jetzt muss ich noch die Bremszüge erneuern und unterm Lenkerband verstecken, was bei dieser Bullhorn-Konfiguration immer ein bisschen Gewürge ist.

      1. Dein Projekt sieht schick aus, gutes Gelingen!

        Meins war ja das C50 und das Wetter zu gut, um sich damit Zeit zu lassen. Und die nächste Transalp will ich dann auch stilecht mit diesem machen. Da muss man ja vorher üben! :)

        Ja, der LRS. Ich habe gerade die Wahl zwischen ,,komplett zerlegen” und sich eine ,,Alternative suchen”. Ich muss da mal mit Menschen reden, die davon Ahnung haben.

        1. War nicht in bestem Zustand und eigentlich als Schlachtplatte gedacht, 3-fach-Kurbel fürs Damenrad, den gelben Laufradsatz für den orangegelben Olm. Entpuppte sich dann als nicht so einfach wie gedacht (Miche vs. Shimano, 7-fach-8-fach-Inkompatibilitäten), und so hab ichs erst mal am Stück gelassen. Es ist trotz 60er Rahmen recht niedrig, so dass meine Frau es auch gut fahren kann, wenn sie mal ambitionierter unterwegs sein will als mit dem Flatbar-Speedbike. ;-)

          Ach, Transalp! Zwischen Februar und August haben wir eine Austauschschülerin aus Frankreich da, und da werde ich mich für solche Unternehmungen kaum ausklinken können. Und bis Töchterlein im Spätsommer zum Gegenbesuch aufbricht und mir die Möglichkeit eröffnet, eine Merantour mitzufahren, habt Ihr in der Zwischenzeit so viele Höhenkilometer zusammengefahren, dass ich nicht ernsthaft hoffen kann, da noch mitzuhalten.

          1. Wart’s mal ab und unterschätz dich nicht. Ich ,,trainiere” hier ja auch nur im flachen Land aus Mangel an Steigungen und konnte trotzdem gut mithalten mit Fahrern, die das bergige Gelände direkt vor der Tür haben.

            Es wird schon werden.

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