It’s cool man

Die Gesellschaft erhebt alles zur Mode, was ihr unter die Finger kommt.
Die Punkerin, die sich betont lässig an der tegut-Schlange anstellt und die ich draußen treffe, als sie ihr Handy der letzten Generation unauffällig in der abgewetzten Tasche ihrer Lederjacke verschwinden lässt. Ob das Mittagessen schon auf dem Tisch steht? Ich finde die Verbreitung der Handys absolut gut, doch muss ich beizeiten mein Weltbild gehörig renovieren.

Zwei Haltestellen weiter steigen drei Mädchen in den Bus, die dem Funpark entsprungen zu sein scheinen und einen Jungen überschwänglich begrüßen. Eine erzählt, dass ihr Vater eine zweiwöchige Reise in die Türkei gewonnen und sie ihm unmissverständlich klargemacht habe, dass sie und nicht er die Reise antreten werde, “ey, vergiss es!”. Ob der Junge und ihre Freundinnen beeindruckt waren, konnte ich leider nicht erkennen, aber ihre Coolness untermauerten sie beim Aussteigen ein letztes mal durch bewundernswerte Äußerungen, während eine blitzende H&M-Gürtelschnalle an mir vorbeiwackelte.
Mir ist die Gesellschaft normaler Menschen lieber. Beispielswiese die jener Mädchen aus dem Zug gestern, die im benachbarten Doppelsitz Platz genommen hatten und auf dem Weg zu einer Verabredung waren. Das Menschliche an beiden: Sie waren aufgeregt.

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