»Ich habe nichts zu verbergen!«

Ein unzerbrechliches Spielzeug kann man gut dazu verwenden,
um andere Spielsachen damit kaputtzumachen.

(Van Roy’s Gesetz)

Frankreich, im November. Der Freund beugt sich herüber und sagt Dinge, die ich nicht hören möchte. Dinge, die mit Google zu tun haben und mit persistenter Datenspeicherung im Netz; mit Informationen, über die man in zehn Jahren vielleicht stolpert und die einem, wenn nicht sogar das Genick brechen, doch hinderlich sein können.

Warum der Satz »Ich habe nichts zu verbergen« eine grobe Fehleinschätzung der eigenen Situation ist, kann man in diesem hervorragenden Artikel in der Blogbar lesen.

5 Gedanken zu „»Ich habe nichts zu verbergen!«

  1. Mal ganz ehrlich, der gute Blogschreiber hat doch nie eine HR-Abteilung von innen gesehen, noch hat er mal ne Matching-Software für eher nicht so super intelligente HR’ler geschrieben. Das ist ja sowas von an der Realität vorbei. Der braucht doch die Paranoia seiner Leser als Selbstbestätigung. Grade im Management ist auch Charakter gefragt. Teamfähigkeit heißt nämlich auch das man vor Entscheidungen 10.000 Menschen zu entlassen entknickt.

    Gings nach dem Blog müsste jeder seinen Blog dicht machen, weil man damit ja viel zu viel “verrät”.

  2. Sorry, ich kenne immerhin jemanden, der eben bei seinem Vorstellungsgespräch auf seinen Account bei MySpace angesprochen wurde, da er dort etwas linke Musik propagiert. Nun wurde er sicherlich nicht nur deswegen abgelehnt, aber der momentane Umgang mit den eigenen Daten ist sehr bedenklich. Und da schließe ich Blogger mit ein. Von Paranoia in dieser Hinsicht zu reden, zeigt imho ein gehöriges Maß an Naivität. Denn die Datenspeicherung ist Realität. Das kann man bei einem Besuch auf solchen Seiten ganz einfach beim Browsen miterleben… Sorry.

  3. Bei kleinen Firmen kann ich noch nachvollziehen das der Kandidat gegoolet wird oder man sonstige Recherchemaßnahmen veranlasst. Aber wenn bei BMW mntl. 16.000 Bewerbungen eingehen und davon dann noch 1000 bis 2000 davon irgendwo eingestellt werden, macht sich da keine mehr die Mühe… und das sind jetzt nicht meine Spekulationen.

    Ich glaube aber ungebrochen daran das der spezielle Blogger momentan von Paranoia und Spekulationen lebt.

  4. Das kommt darauf an, auf welche Stelle du dich bewirbst. Dass ich nicht jede Verwaltungsangestellte »google«, kann ich mir vorstellen.
    Wenn es aber um Bewerbungen auf Beraterjobs bei angesehenen Firmen, die einen Ruf zu verlieren haben, passiert oder bei Bewerbungen auf Stellen im oberen Management, dann möchte ich das nicht ausschließen (wie Knuts Kommentar zeigt).

    Paranoia ist anders.

  5. NAja, ich denke, wir gehen wirklich von unterschiedlichen Jobs aus. Wenn du als typischer Ex-Studi oder so einen etwas anspruchsvolleren Job suchst, dann wird es auf jeden Fall auf dich zurückfallen, wenn du im Web deine Saufgelage und ungezügelten Sexabenteuer usw. ausbreitest oder einfach nur sprachlich die Sau rauslässt oder eben etwas links von der mitte politisierst. Die StudiVZler fallen nunmal in diese Kategorie von Jobs, vor allem die ganzen BWLler, die da wohl besonders die Sau raus lassen (wenn auch weniger politisch).

    Dass der gute Blogbar-Don auch etwas stark auf den Putz haut, gehört aber zum Konzept seiner grantelnden Kunstfigur, als die er sein Internet-Avatar sieht. Manchmal lustig, häufig politisch mit mir auf einer Linie, aber auch gerne mal über das Ziel hinausschießend. Paranoid ist aber das falsche Wort, wie ich finde. Ich bin mir zum Beispiel recht sicher, dass es einem HR’ler auffallen würde, dass unter der Selbstbeschreibung auf meinem Blog “Totes Humankapital ohne Rendite” steht. Und er wird das auch als Kritik an der Deutschen Bank und ihrer Perspektive auf Arbeitslose und deren Probleme einordnen können. Wenn ich mich nun bei einer Bank bewerben würde, könnte das gut und gerne zur Sprache kommen. Ich stehe dazu und denke, dass ein potentieller Arbeitgeber diesen Teil meiner selbst akzeptieren müsste. Es ist also in dem Bewusstsein preisgegebene Information über mich. Nur da hört es auf, Cookies bleiben bis auf ein paar wenige aus, und allzu privates gebe ich nicht frei. Nicht nur wegen dem Job, sondern wegen dem ganzen restlichen Profiling, was ohne unsere Zustimmung petrieben wird.

    Das wars, Grüße von einem, der keine Treuekarten anfassen würde ;-)

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