Ich bin der Welt abhanden gekommen

Der Weg ist immer der Weg nach Hause. Ich bin zum ersten Mal während der Sommermonate in dieser Wohnung, aus der eine kleine verwinkelte Treppe in einen Dachstuhl führt, in dem die Sonne durch alte Fenster und verschobene Dachziegel helle Flecken auf den Holzboden brennt. Ich verlaufe mich, werde durch Rufe korrigiert und irre durch Räume bis ich den Weg ins Sonnenlicht finde; auf das Dach des Hauses, verborgen hinter einer Zinne und doch direkt über dem Marktplatz.

Dachboden

Ich erzähle ihr später, wie kompliziert es in Bayern ist, weil man an den Almen schwierig vorbeikommt ohne eine Dampfnudel oder Kaiserschmarren zu essen. Doch auch hier haben wir den Vormittag essend verbracht; morgens vor zehn, als sie noch schlafen, mache ich eine Kanne schwarzen Tee. Dies war der einzige Moment, in dem ich merke, nicht mehr hier zu wohnen, sogar: nie hier gewohnt zu haben. Ich finde mich leidlich zurecht und irgendwann doch die Büchse aus Blech mit dem Tee. Dazu gibt es Pralinen und ein Stück Schokolade zartbitter.

Frühstück

Obwohl ich niemandem erzählt habe, wo ich die nächsten Tage verbringe, finden mich Jene, die suchen, an den typischen Orten, an die es mich zieht. Sie stoßen dazu, wir begrüßen uns kurz und sie bleiben vielleicht auf einen Kaffee. Das funktioniert noch so, wie die Gesellschaft meiner Jugend noch vor dem Internet funktionierte: Man muss sich nicht explizit verabreden, man geht einfach bei Freunden vorbei. Kein Whatsapp, kein Threema, keine eMail und kein Telefonat. Wer mich treffen will, trifft mich. Wer nicht, trifft mich nicht (oder bestenfalls auf der Straße). Und wer mich kennt, weiß, wo ich auf ihn warte.

Café am Grün/Roter Stern

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