Haselnuss und Mandelkern

Es ist die Zeit der Gastblogger. Während Doreen ihren Großonkel (o.ä.) einführt, habe ich gestern meinem Ghostwriter (Link folgt später) eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, die heute redigiert zurückkam.

Es war vor langer, langer Zeit
Als ich noch ein Junge war, mein Opa regelmäßig aufs Land und meine Oma mir durchs Haar fuhr, bevor sie in benachbarte provinziale Städtchen radelte, um Besorgungen zu machen, während ich mich für Bonbons und Schneckenhäuser begeistern konnte.
Ich weiß noch, wie es damals roch, immer wenn Oma frische Mandeln mitbrachte. Jahmarkt und siebenundvierzigelf.
Eines Tages, Oma war unterwegs, mein Opa nicht zu Hause, wie ich es am Telefon zu sagen hatte, klingelte es an der Tür.
Natürlich kannte man jeden im Dorf. In seiner Altersklasse sowieso,
aber dieses blonde Mädchen hatte ich noch nie gesehen.
Das war das erste mal, dass ich – ohne das Wort zu kennen – Korkenzieherlocken auf den Lippen hatte.
Schwimmen gehen wollte sie, in einer richtigen Badewanne. Sie hätte so lang unterwegs gewohnt, da hätte man keinen Stauraum für stehende Gewässer, hatte der Losbudendieter wohl gesagt.
Sie schmiss ihren Rucksack in die Ecke, zog die grünen Gummistiefel aus, seufze und schaute mich aus großen Augen an.
Heute denke ich oft an sie, wenn mir mein Katertier nachts mit weiten Pupillen ins Gesicht starrt. Vielleicht weil ihre Zöpfe so wippten wie er das mehr recht als schlecht mit dem Schwanz fertig bringt. Vielleicht aber auch nur, weil Katzen so lautlos sein können.
Ich drehte mich kurz um, wollte Milch und Honig wärmen, wie Oma das tat, wenn mir kalt war, doch während ich mit meinen Kindergedanken noch ihren bläulich schimmernden Händen und dem Gedanken an fahrende Duschen nach hing, war ich mittelmäßig überrascht, als ich ihre Arme von hinten um meine Brust spürte. ‚Ich bin anstrengend”, sagte sie. ‚Ich Niels“, antwortete ich gefasst.
Na, du kannst dir denken wie’s kam.
Traue niemals einem Kind in Gummistiefeln, denn als ich mich umdrehte, roch es leicht nach Mandelkern, ihre Stimme hallte leise noch in mir und ein paar Stiefel dampften vor der Tür,
aber ich stand allein, mit Honig, Milch; heut mit Bier.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich beobachtet
und manchmal bilde ich mir ein, ich wüsste, wo sie wohnt.
‚Du bist toll.“ das wollte ich ihr noch sagen,
wenn ich sie das nächste Mal sehe. Werde es sagen und natürlich das mit dem doppelten Wortsinn abstreiten, jedenfalls ist dies das Geheimnis, warum ich keine Mandeln essen kann, ohne ein Grinsen zu unterdrücken.
In der Ecke ruckt noch ein Sack. Faul starrt er mich an aus der Nacht.
‚Ende?“
Erst, wenn ich sie gefunden habe.

Eine kurze Kaffeepause, bevor es an die letzten vierzig Seiten geht.

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