Gütersloh und ein Küchenmesser

Wenn du das gesehen hättest was ich heute gesehen habe. Da ist nichts mehr.
Der Eintrag sollte einen anderen Titel tragen, bis er selbst das Stichwort lieferte.

Dass er mit sich kämpft, sah man seit der ersten Minute und wir kamen früh. Das Stehen fiel schwer, das Gehen noch mehr, sein stellenweise kahlrasierter Schädel zog die ganze Aufmerksamkeit auf sich, wenn er seinen Körper durch die Menge schob, die Theke fest im Visier. Elf Programmpunkte trennten uns von seinem Auftritt, elf mal fünfzehn Minuten, fast drei Stunden also, die ich zum Ausmalen aller Schreckensvisionen nutzte und beschloss, ihm heute nicht in die Arme zu Laufen und mich seinen Fragen zu stellen.
Er kämpfte, langsam und stockend rang er seinem Körper die Worte ab, suchend huschten seine Augen über die schon teilweise geleerten Stuhlreihen aber fanden keinen Halt. Erst gegen Ende gab man Applaus und er schaute weniger ängstlich in den Raum, in die Gesichter der Richter, die wohlwollend applaudierten und nicht übersehen konnten, was dort oben vor sich ging. Das Applaudieren habe ich nicht fertigbekommen, wir brachen den Abend sofort danach ab, huschten ungesehen hinter ihm aus dem Raum.
Um die Wahrheit nicht sagen zu müssen.

Lange vorher, während ein Klavierspieler melancholische Töne trifft, verabschiede ich mich im Stillen.

Ich warte auf den natürlichen Tod.

3 Gedanken zu „Gütersloh und ein Küchenmesser

  1. ich wurde schwer kritisiert für meine berichte über v.’s befinden. meine antwort auf die frage, warum ich das mache, war: weil ich mit ihm befreundet bin und nicht wegschauen kann. weil ich davon getroffen bin

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