Giovanni dalle Bande Nere

Ich hatte mir das so schön vorgestellt: Während das wunderschöne Mädchen beim Sport ist, setze ich mich in einem der alten Cocktailsessel auf den Balkon, lege die Beine auf den alten Klavierschemel und den Laptop auf meine Knie. Dann beantworte ich die aufgelaufenen Mails. Außerdem brauche ich eine kurze Hose, die einigermaßen hübsch aussieht, was bei kurzen Hosen beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und eine neue Tasche für Laptop und -zubehör sowie Kamera und Utensilien brauche ich auch, da ich demnächst wieder mehr in der Stadt unterwegs sein werde – in Cafés – und dort an Projekten arbeiten möchte.

Ferchensee

Das wunderschöne Mädchen ist seit beinahe zwei Stunden unterwegs, sie kommt gleich zurück und ich habe von all jenen Vorsätzen nur das Sitzen und Schreiben erledigt. Nach kurzen Hosen traue ich mich gar nicht zu schauen und wo ich anfangen soll, nach brauchbaren Taschen zu suchen, weiß ich nicht. Außerdem muss ich schließlich noch die eMails schreiben. Doch bevor ich damit anfange, schaue ich mir noch einmal kurz die Bilder von diesem Bergsee an.

Ferchensee

Das ist der Ferchensee, abseits gelegen bei Mittenwald in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Wegen der attraktiven Ziele auf dem Weg bleibt er selbst bei schönem Wetter von Münchnern verschont, die an Wochenenden im näheren Umland alles okkupieren. Weil man den See (ähnlich dem Hirschberghaus) nicht einfach per Auto erreicht, sondern von der letzten Parkmöglichkeit noch etwa eine halbe Stunde über einen Pfad einen mücken- und bremsenverseuchten Wald durchqueren und einige Höhenmeter überwinden muss, ist selbst an Samstagen mit Rekordtemperatur nicht allzuviel los und mein Angebot, bereits am Morgen einen Platz zu besetzen und frenetisch zu verteidigen, während die beiden Begleiterinnen drei Stunden auf einen der nahen Gipfel steigen, im Nachhinein völlig überflüssig. Aber mei.

Lautersee

Einen Sonnenbrand habe ich dann doch bekommen, während ich unter einem der ufernahen Bäume lag und etwas über Startups las, ab und zu in die Seemitte schwamm und die Gipfel zu allen Seiten des Wassers beobachtet habe. Die Netzabdeckung war angenehm schlecht, so dass ich nur auszugsweise die Bilder der überfüllten Eisbachwiese im Englischen Garten oder die Badeversuche am Flaucher in meiner Instagram-Timeline sah.

Sonnenuntergang bei Mittenwald

»Hier« sagte ich im Winkel der Stille, als wir abstiegen vom See und uns auf den Weg machten zum Abendbrot auf einer Alm »möchte ich irgendwann einmal ein paar Monate leben.«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.