Gegenwind formt den Charakter

Ich weiß nicht wofür du brennst
du glühst noch wenn du sprichst
von einer traumhaften Kindheit,
dem Stromspar-Bettlicht
und die Leuchtmasten werfen gelben Strom auf den Asphalt

Ich bin heute morgen Bestzeit gefahren auf der täglichen Strecke am Fluss raus ins Büro und doch bin ich unsicher, das Rennen zu gewinnen auf dem vorgesehenen Kurs, ob nicht vielleicht abzufahren und eine andere Strecke zu wählen eine gute Möglichkeit ist. Um abzukürzen vielleicht, möglicherweise ist die Strecke einfach schöner, unbekannt. Mag sein, dass da eine Rampe kommt, der Puls in den Spitzenbereich schießt und du einige Minuten bergab brauchst ohne zu treten, um dich zu erholen.

Bücher

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Dort unten warten die Pässe, hier wartet nur das flache Land, über dem zwar oft die Sonne scheint, doch über das stadteinwärts ein starker Wind bläst wie eine Wand. Es soll noch einmal kalt werden in den kommenden Tagen. Ich nehme am Samstag den Nachtzug nach Frankreich; ich reise mit leichtem Gepäck.

Es ist mir egal
ich wünsche mir jemanden,
der nicht mehr geht
mit einem festen Halt

t: Die höchste Eisenbahn – Tschernobyl

5 Gedanken zu „Gegenwind formt den Charakter

  1. Ja, Gegenwird formt den Charakter, aber ständiges Starren auf den gefahrenen Schnitt (ich beziehe mich da auf Deinen Facebook-Eintrag zu diesem Blogbeitrag) birgt ein bisschen die Gefahr, den Charakter auf Dauer zu deformieren: competition mode default on, oder wie auch immer man das nennen mag. Zumindest habe ich es irgendwann so empfunden.

    1. Da hast du vollkommen recht. Ich habe am letzten Wochenende das Buch ,, Sieg am Timmelsjoch” gelesen, in dem das Lyrische Ich seine Teilnahme am Ötztaler Radmarathon beschreibt. Die ist von Rivalität geprägt, zu keinem Zeitpunkt der Lektüre hatte ich das Gefühl, dass ich den ,,Ötzi” mal mitfahren sollte.

      Ich glaube, ich funktioniere da anders. Torten motivieren mich, Kaiserschmarrn und nette Gesellschaft. Wie letzten Sommer zum Beispiel.
      Auch wenn ich mich immer noch diebisch über den Schnitt freue von Dienstag.

      1. Mir ist das ja gar nicht fremd. Dass ich bei der letzten RTF mit dem profilbereiften Schutzblech-Olm auf der 111-km-Strecke den 30er-Schnitt mitfahren konnte, tat schon enorm gut. Aber ich trenne heute schärfer zwischen Fahrten, bei denen das Verhältnis von Weg und Zeit eine Rolle spielt und jenen Touren, bei denen ich das ganz bewusst außen vor lasse.

        Mit kompetitiv meinte ich in diesem Zusammenhang nicht nur den ständigen Vergleich mit anderen, sondern auch das permanente Selbst-Benchmarking mit Blick auf Tacho, Vorjahresform und all das. Das hatte ich anno 2010, als das Koga mitsamt dem kleinen Display am Lenker frisch im Haus war, stark ausgereizt. Die Winterschlampe kam dann auch noch mit so einem Dingsie im Display, das ständig anzeigte, ob man über oder unter Schnitt fuhr.

        Und irgendwie wurde mir in den ersten Monaten 2011 dann bewusst, dass das nicht das ist, worum es mir da draußen geht. Einer von diesen überflüssigen Rennrad-Freizeitfahrer-Romanen (ein übergewichtiger Raucher und Rotweintrinker wird vom Rennradfieber gepackt, und er quält sich mit seinen Kumpels fit fürs Jedermann-Rennen…), hat mir darüber hnaus auch sehr geholfen bei der persönlichen Standortbestimmung. Und zwar ex negativo, weil es mir vor Augen geführt hat, wieviele Lichtjahre mich von den im Roman beschriebenen beschriebenen Galaxien der Ortsschildsprinter, Laktatjunkies und Freizeit-Armstrongs und ihren Spielchen trennen.

        Das Alleinfahren entspricht mir schon sehr, und so ein Freizeitverein mit eigenenTrikots wäre vielleicht der sicherste Weg, mit den Spaß auf dem Sattel gründlich auszutreiben. Aber in netter Runde flott durch die Landschaft strampeln, so wie am Tegernsee voriges Jahr oder heuer mit dem Mitfahrer aus Neuss (der auch einen 40er-Schnitt kann, es mir aber nicht beweisen muss), das ist genau mein Ding. Vielleicht noch irgendeine kleine Sehenswürdigkeit angucken oder in einem schönen Biergarten rasten, aber um Himmels Willen nicht mit so einem nasengepflasterten Zeitfahrer-Tunnelblick durch die Landschaft pflügen.

        1. Ich habe seinerzeit in einem Rad-Forum den Thread gelesen, der zum Buch ,,Dicker Mann auf dünnen Reifen” führte, wenn du das meinst. Das Buch habe ich mir gespart, wenngleich ich ab und zu beim Lesen des Threads lachen musste; gut möglich, dass es in die gleiche Richtung geht wie ,,Sieg am Timmelsjoch” oder die wahnsinnig unwitzige und überflüssige TOUR-Kolumnensammlung ,,Kurz und Flach”, die mir ein Freund geliehen hat und die ich ungelesen zurückgeben werde.

          Das mit dem Alleinfahren stimmt schon irgendwie. Wenn ich in den Süden fahre, dann geht es mir nicht darum, bei Strava das nächste Segment zu gewinnen. Ich muss aber gestehen, dass ich durchaus einige Messwerte mitlogge auf diesen Fahrten und sie mir abends noch einmal anschaue. Mir geht es da aber nicht um die Beobachtung eines Trainingsfortschritts. Der Freund, der mir auch das oben genannte Buch lieh, trainiert systematisch und vollumfänglich – er ernährt sich auch abhängig von seinem Trainingsplan.

          Das könnte mir nicht passieren. Dafür habe ich einen ungeeigneten Lehrer gefunden, der mir lieber Dampfnudeln empfiehlt und mir zeigt, wo man in Italien den besten Apfelstrudel bekommt. Das liegt mir eher, hier sind wir uns gleich.

          (Ich finde, dir stünde mal wieder ein Trainingslager am Tegernsee gut.)

          1. “Dicker Mann auf dünnen Reifen” – ja genau, das wars. Es hatte schon paar witzige Momente, aber zumeist überwog bei mir halt doch eher “oh, no!”. Denke schon, dass das genau in die gleiche Richtung geht wie die Timmelsjoch-Schwarte und deren Vorgänger-Epos. Allzu viel von der Kost braucht man wirklich nicht, ich sehe mich da (trotz etwas abweichender Essgelüste) auch eher im Lager der Tortenvernichter. ;-)

            Nachdem ich ja bis nach dem Sommerurlaub nicht nur Einzelkindpapi bin, wird es vorerst etwas schwierig, mich auszuklinken. Aber im September, wenn Töchterlein wie vorgesehen bei der Gastfamilie angedockt ist, lässt sich sicher was machen in Sachen Trainingslager.

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