Funktionale Aspekte der Schriftkultur

Ich habe wirklich Probleme mit einem Artikel, den ich für das Linguistik-Seminar lesen muss. Matthias warnte mich vor, er habe die Sätze teilweise häufiger lesen müssen. Nun weiß ich, was er meint.
Der Gebrauch von Fachtermini ist toll, verschachtelte Sätze ebenso. Allerdings erleichtern sie das Lesen nicht. Dass sich Fachliteratur nicht über die Verwendung eines umfangreichen Fremdwortschatzes definieren muss, zeigen zum Beispiel Hopcroft, Motwani und Ullman mit ihrer “Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation”, es liest sich besser als die sperrige Belletristik beispielsweise Sibylle Bergs.

Heute nachmittag habe ich “liegen lernen” fertig gelesen, danach musste ich duschen. Nie vorher hat ein Buch dieses Bedürfnis bei mir ausgelöst, ich habe es gern und in annehmbarer Zeit gelesen. In der Regel verhungert Literatur, ich fange Bücher an, die zugunsten anderer Bücher auf dem Nachttisch verweilen. Liegen sie dort lange genug, stelle ich sie in den Schrank zurück mit dem Vorsatz, später noch einmal anzufangen, weil ich mich an den Anfang nicht mehr erinnern kann. Auf Halde liegen zur Zeit Franz Kafkas “Amerika”, Max Frischs “Mein Name sei Gantenbein” und einige Stücke Thomas Bernhards.

Wenn Knut mir eine Identitätsfindungsphase bescheinigt, stimme ich uneingeschränkt zu. Seit Jahren schon. Wie lange soll das bitte dauern?
In den Geisteswissenschaften fühle ich mich im Moment sehr wohl.

2 Gedanken zu „Funktionale Aspekte der Schriftkultur

  1. bei jedem halbwegs vernünftigen menschen beginnt die identitätsfindungsphase mit der geburt und endet mit dem tod. diejenigen, bei denen diese phase irgendwann im zweitraum dazwischen abgeschlossen wird, werden zu schrecklichen langweilern. ;)

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