Etikette

Bevor man im Internet an gewissen Kommunikationsstrukturen teilnimmt, sollte man sich die diesbezügliche Netiquette durchlesen, die Verhaltensregeln aufstellt und – weil das anscheinend nicht immer vorausgesetzt werden kann – grundlegende Höflichkeit definiert.
Die Netiquette für sozialen Umgang im wirklichen Leben nennt sich Etikette und sollte dem Individuum in früher Erziehung angelernt und mit zunehmendem Alter verfeinert werden. Dass es oftmals nicht weit her ist mit gutem Benehmen, zeigen am Bus vorbeigähnende Radfahrer oder Schulkinder, die sich mit Händen und Füßen gegen sitzplatzbeanspruchende Senioren wehren. Hände gehören beim Essen nicht unter sondern auf den Tisch (Ellbogen dagegen nicht), man beginnt gleichzeitig mit dem Einnehmen der Speisen und nicht asynchron und beachtet sein Umfeld, wirft niemandem die Tür vor der Nase zu.

Der Verzicht auf Manieren hat nichts mit einer neuen ’68er Generation zu tun und dem Erhalt deren Erbes, fällt dramatischerweise aber immer weniger auf. Wenn ich oben genannte Radfahrer kritisiere, gelte ich als kleinlich. Wenn Benehmen dort nicht anfängt, wo dann? Das Argument, man befände sich in einem privaten Raum wird ad absurdum geführt, wenn wir uns den popelnden Fahrer im Nachbarauto vorstellen.
In der Aufgabe privater Räume, d.h. von Situationen, an denen die Öffentlichkeit nicht partizipieren kann, bedingt sich die Ausweitung der Etikette auf eben diese.
Während die Vorzüge der Multimedialität und Multikonnektivität, die diese Abschaffung mitunter bedingen (Webcams, …), gefeiert und genutzt werden, ist man im Gegenzug nicht bereit, diesen durch Investition eigener Mühen Rechnung zu tragen.

Kommunikation beruht auf Richtlinien, Höflichkeitsformen und bewährter Normen, die es meines Erachtens wert sind, en gros adaptiert zu werden. Ich werde gern mit “Guten Morgen” begrüßt und schließe Briefe und eMails “mit herzlichen Grüßen”. Mit “Ey Alder” kann ich mich dagegen weniger anfreunden, auch charakterisieren orthographische Fehler in den meisten Fällen keinen Zeitmangel sondern Missschätzung des Kommunikationspartners.

Ein Duden und der Knigge gehören in jeden Kopf.

8 Gedanken zu „Etikette

  1. Auf’m Teppich bleiben, Niels. Im Knigge stehen garantiert genausoviele Dinge, die du nicht beachtest. Und ja, der gähnende Radfahrer ist mir lieber als der popelnde Autofahrer. Welcher Wertmaßstab zählt jetzt mehr?

  2. Achtung, Kalauer: Vollhorst!
    Haha. ;)
    Nichts für ungut.

    Steffen, es gibt keine besondere Bewandnis, gerade jetzt diesen Eintrag zu bringen. Es fiel mir schon seit so langem auf.

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