Es ist so schwer sich zu entscheiden

Als ich irgendwann am Anfang diesen Jahres mit einem Freund in der Stadt sprach, in der ich die zehn Jahre vor meinem Umzug nach Süddeutschland lebte, erzählte er beiläufig, die ehemaligen Kollegen und mein alter Chef hätten Wetten abgeschlossen, ob ich bereits eines der (damals neuen) BlackBerry-Geräte besitze. Damals verneinte ich überzeugt, ich hätte meinen Frieden gefunden, heute habe ich derer zwei. Und eines dieser Geräte hole ich regelmäßig hervor, presse die SIM-Karte aus meinem iPhone in einen Adapter und umständlich in den BlackBerry, um diesen Schritt zwei Tage später rückwärts zu vollziehen – ich kann mich einfach nicht entscheiden.

Mate

Es kämpfen in mir zwei Ansichten: Die eine, die sagt: Beschränke Dich in Deinem Online-Leben auf das Nötige! Du musst nicht ständig bei Twitter posten, Du musst nicht ständig bei Facebook schauen. Natürlich kannst Du Deine Nachrichten lesen und selbstverständlich kannst Du die Podcasts hören. Dass das nicht zu häufig passiert, verhindert die Software mit einigen Unzulänglichkeiten und fehlender Bedienungsergonomie. Aber eMails kannst Du beantworten, Sofortnachrichten schreiben macht Spaß, denn die Software dafür wiederum ist sensationell, wenn man davon absieht, dass es einen Messenger, den ich verwende, für diese Plattform nicht gibt: Diese Plattform ist BlackBerry.

Die Plattform für das ständige Online-Leben ist dagegen das iPhone. Sie schreit geradezu nach Twitter, denn meine Leseposition ist mit dem Desktop synchronisiert. Die Videos in meiner Facebook-Timeline starten von selbst, für App.net gibt es einen tollen Client, Instagram befindet sich auf meinem Startbildschirm. Die Apps machen durchgängig mehr Spaß, die Bedienung ist vergleichsweise verständlich und gut, alles synchronisiert automatisch – ich habe sämtliche Daten meines Computers immer dabei – und alles ist wundersam integriert. Allein die Tastatur ist besorgniserregend, dafür ist die Kamera sensationell. Habe ich bereits die herausragende Qualität der Applikationen und Fotos gelobt?

Sonnenblume

So pendle ich zwischen den Geräten, ärgere mich über jedes und lächele wissend, wenn jemand für On-Screen-Tastaturen argumentiert.

»Du hast das Licht nicht gesehen, Freund, und ich sehe deswegen überall Schatten.« Ich pendle und bin mir nicht sicher, welcher Ansicht ich folgen soll. In der Zwischenzeit träume ich von der BlackBerry-Tastatur wie von einer verflossenen Liebe: eine gute Haptik allein reicht nicht für längere Zeit.

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