Eine Möwe überholt uns links

Es ist noch gar nicht lange her, dass ich Autos gesehen habe aus Bonn und mit dem Kennzeichen BN nicht sonderlich viel anzufangen wusste. Kennzeichen wie BN haben Landkreise mit sehr geringer Einwohnerzahl, dachte ich, die ähnlich liegen wie HDL oder LDK. Einen ähnlich provinziellen Flair wie diese Buchstabenkombination besitzen die Bahnverbindungen, die mir von meinem hessischen Heimatort nutzbar bleiben – ich bin ähnlich lang unterwegs nach Berlin wie nach Bonn.

Irgendwo dort

Dabei gibt es durchaus Strecken, die kürzer (und teurer) sind, diese führen allerdings nicht entlang der Ufer des Rheins, die stellenweise denen des Gardasees ähneln. Alleine das Wetter ist mäßig und verführt nicht, statt in die Arbeit aus dem Fenster zu schauen.

Der Zug ist in diesem Abschnitt angenehm leer und die Telefonverbindungen genügend schlecht, um telefonierende Zeitgenossen auf die anderen Strecken zu locken. Er fährt weiter nach Kiel – dort wüsste ich wohin gehen – doch ich werde ein paar Stunden im Zentrum der alten Hauptstadt verweilen auf der Suche nach einem Café; und vielleicht werde ich am Abend mein Bild bezüglich BN revidieren.

2 Gedanken zu „Eine Möwe überholt uns links

  1. vergiss es; du willst sicher nicht nach kiel. zumindest jetzt nicht; die ‘kieler woche’ hat begonnen

    dieses alljährliche sommerereignis wird von der einheimischen bevölkerung (bei einer vernachlässigbar kleinen zahl an ausnahmen) herbei gesehnt und … geliebt. auch wenn es traditionell am ersten tag zu regnen anfängt und bis zum letzten verregnet bleibt. dieses jahr leider nicht

    von aussen kommt millionenfache verstärkung heran, die eine stadt aus buden, zelten und verhauen besiedelt zum essen, trinken und essen und trinken und … ach ja: und um einen klangbrei aus popularmusik zu konsumieren, zeitgleich von einer vielzahl kleinerer und grösserer bühnen konkurrierend gegeneinander brüllend

    leute mit kultureller vorbildung, mittelmässig entwickeltem intellekt und halbwegs ausgeprägtem individualbewusstsein, die der stadt und der menschenlava jener tollen zeit nicht entfliehen können, erleben etwa dies: verkehrsstau, dauerlärm, allerorten die präsenz von militär, von uniformen und über allem steht der unwiderstehliche gestank nach bockwurst und kotze

    dies noch: inmitten der massen gehen menschen, so wurde mir berichtet, den arm zum hitlergruss gereckt. das scheint nicht weiter zu stören

    nein, niels, du willst nicht dorthin. nicht ausgerechnet jetzt

  2. Wenngleich der Zug weiterfuhr dorthin – ich weiß nicht, ob du das wusstest – bin ich umgekehrt, nach zwei Tagen Bonn.
    Ich soll grüßen von unserer Freundin, die ich heute auf einen Kaffee traf.

    Wir haben von dir geredet.

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